Die dreizehn Erben |
Sao-Link
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Autor: Ich
Titel: Die dreizehn Erben (provisorisch)
Genre: Fantasy, Shoujo-ai
Claimer: Charaktere, Orte, Text und Idee sind mein Eigentum. Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen, Orten oder Ereignissen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.
Warnungen: Gewaltszenen kommen vor
Ich schreibe an dieser Geschichte schon eine Weile und versuche stetig weiterzuschreiben, aber manchmal fehlt mir einfach die Inspiration. Die Geschichte ist primär eine Fantasy-Story, jedoch mit ansehlichem Shoujo-ai Gehalt, aber ich kann mir vorstellen, dass euch die Geschichte, wenn ihr kein Fan von Fantasy-Literatur seid, ein wenig abschrecken wird.
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Wenige sind imstande, von den Vorurteilen der Umgebung abweichende Meinungen gelassen auszusprechen;
die meisten sind sogar unfähig, überhaupt zu solchen Meinungen zu gelangen. Albert Einstein
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28.08.2007 11:52 |
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Prolog: Eloah
Einst war die Welt jung und nur wenige Wesen wandelten auf ihrem Antlitz. Da erblickte ein Wesen das Licht der Welt, das Eloah genannt wurde. Eloah wandelte auf der Erde und erlebte vieles. Eloah sah Kriege, Machtkämpfe, Leid und Not mit an. Dieses Leid berührte Eloah tief und Eloah wollte einen Weg finden, die Ungleichheit der lebenden Wesen und die Kriege, die Machtkämpfe, das Leid und die Not, welche daraus resultierten zu beenden. Die Lebenden erfuhren von Eloah und Eloahs Absicht und verehrten Eloah als „die Göttin“, obwohl Eloah weder männlich noch weiblich war. Nach dreitausend Jahren der Suche, hatte Eloah den einzigen Weg gefunden und wollte ihn in die Tat umsetzen. Eloah erschuf die Gleichmacher, gewaltige Konstrukte, welche die Lebenskraft aller Wesen in sich aufnehmen konnten, und befahl ihnen, alle Lebenskraft der Welt aufzusammeln, auf dass es nur noch ein Wesen geben sollte. Doch andere, die man Götter nannte, waren mit Eloahs Handeln nicht einverstanden. Sie vernichteten in einem gewaltigen Kampf die Gleichmacher, doch sie konnten Eloah als ihresgleichen nichts antun. Also sandten sie den weisesten Elfen Artefakte. Die dreizehn Sippen Flammentanz, Waldruf, Schattenkind, Kristallglanz, Regengeist, Steinspitze, Steppenläufer, Himmelslicht… Nachtklinge und Sturmsucher verbündeten sich mithilfe dieser Artefakte und schlossen Eloah unter einem Berg ein, geschützt von dreizehn Siegeln, die nur gebrochen werden konnten, wenn auch der letzte Nachkomme der dreizehn Sippen aufgehört hat zu existieren. So erzählen es die Legenden. Und dies ist die Geschichte der Erben, viele tausend Jahre nachdem Eloah eingekerkert wurde und diese Legende in Vergessenheit geraten ist.
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28.08.2007 11:53 |
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Flammentanz
Ein sanfter Wind streicht über die Lichtung. Der Teich spiegelt funkelnd die einfallenden Sonnenstrahlen. Das Rauschen des Wasserfalls übertönt nicht das freudige Lachen. „Na los, Ela, spring“, ruft eine junge Mädchenstimme freudig. Die Angesprochene, eine hoch gewachsene, schlanke Gestalt, scheint sich nicht ganz so sicher zu sein. Ihre silbernen Haare bauschen sich im leichten Wind auf. Ihre bernsteinfarbenen Augen mustern die Steine, die nassen und vermutlich rutschigen Steine, über die Shayariel vorher so spielend leicht gesprungen ist. Elayoe ist noch nie so geschickt gewesen wie sie und glaubt kaum, dass sie Shayariel so leicht folgen könne. Shayariel, ein wenig kleiner als sie, zwinkert ihr mit ihren klaren grünen Augen zu: “Der Tag ist heiss, das Wasser kalt und das schlimmste was passieren könnte, ist ein Sturz ins kühle Nass“. Elayoe springt, landet auf dem Stein, rutscht darauf aus und klatscht vorwärts in den Teich. Unter lautem Lachen spritzen sich die beiden Mädchen nass und springen, schwimmen und rennen herum. Plötzlich erklingt die Stimme von Shayariels Eltern. Die beiden Mädchen verabschieden sich kichernd und rennen davon, nicht ahnend, was in naher Zukunft alles passieren würde.
„Heute ist es soweit, mein Sohn. Nun wird der Wald unser sein, wir werden die bösen Dämonen in den Flammen untergehen lassen. Fühlst du dich der Aufgabe gewachsen?“ Talan antwortet nicht. Doch er hat auch keine Antwort von ihm erwartet, er kennt seine Antwort bereits. Er hat sie schon hundertmal gehört und er weiss, wie sehr sich sein Sohn nach diesem Tag sehnt. Talan dreht sich um und verlässt das Haus. Endlich würde es soweit sein. Sie würden die Elfen, die ihnen soviel Unglück beschert hatten endlich los sein. Vergeltung für all die schlechten Ernten und die Missgeburten die sie ihnen angehext hatten. Rache für seine Schwester, die von einem der ihren in den Tod gelockt wurde. Freundlich hatten sie getan, doch in Wahrheit wollten sie uns alle ausrotten. Doch sein Vater, der grosse Schamane und die Ältesten hatten es erkannt. Und nun wurde gehandelt. Talan lässt seinen Blick über die Anwesenden schweifen, wohl wissend, dass viele von ihnen die Schlacht nicht überleben würden. Auch wenn sie in der Überzahl sind, die Elfen sind die besseren Kämpfer und der Wald ist ihr Gebiet. Doch ob sie auch in Flammen kämpfen können?
Rufe erschallen. Feuer! Überall. Der ganze Wald scheint in Flammen zu stehen und die Menschen denen die Sippe der Sturmsucher erlaubt haben, sich hier niederzulassen, denen sie viel Wissen übermittelt haben und ihnen in schweren Zeiten ausgeholfen haben, scheinen sich nun gegen sie zu wenden. Elayoe rennt, ihre wichtigsten Sachen an sich gedrückt, aus dem Haus, welches sich in einem lebenden Baum befand. Die ganze Sippe hat dieses, wie alle anderen Häuser geformt. Sie haben das Dorf gestaltet, sowohl nach ihrem Willen aber auch nach dem der Natur, wodurch der Wald in Symbiose mit den Elfen leben konnte. Doch nun steht es in Flammen. Kein gewöhnliches Feuer, das wäre leicht zu löschen gewesen. Es muss durch diese Substanz, welche die Menschen entdeckt haben genährt worden sein und ist kaum mehr zu bändigen. Elayoe blickt suchend umher, weiterhin fliehend. Sie spürt die tödliche Hitze, die rauchgeschwängerte Luft kratzt ihr im Hals. Wo waren ihre Eltern? Und wo war Shayariel? Hoffentlich würde ihre Freundin dieses Inferno überstehen. Ein brennender Ast stürzt knapp neben ihr herab, Funken stieben auf, eine glühende Hitze weht Elayoe entgegen und holt sie sofort aus ihren Gedanken. Nun geht es erstmal darum zu überleben. Sie rennt los. Im tosenden Sturm der Flammen, dem lauten Knacken und dem allgegenwärtigen Knistern konnte man kaum die Schreie der Sterbenden hören und die Flammenwände und der Rauch machen eine gute Sicht unmöglich. In der Hitze und dem Chaos gehen Menschen und Elfen zugleich unter und die ersten Menschen beginnen sich zu fragen ob das, was sie hier entfesselt haben, nicht auch sie selbst vernichten würde. Talan wird von einem seiner Freunde getötet, weil er mit seinem hohen Wuchs und den langen Haaren im Chaos für einen der Elfen gehalten wurde. Von dem allem bekommt Elayoe nichts mit. Auch nicht davon, wie ihr Vater von einem Pfeil niedergestreckt wird und ein junger Mensch ihre Mutter mit einer Keule erschlägt.
Langsam kommt Elayoe zur Ruhe. Dem Feuer ist sie entkommen, doch viele Menschen suchen noch den Wald ab. Sie ist fest entschlossen, sich von ihnen nicht finden zu lassen. Sie schaut sich um und lauscht, hört Geräusche von mehreren Leuten. Irgendjemand muss hier ganz in der Nähe sein. Da, aus dieser Richtung ertönen die Stimmen. Elayoe läuft los und verbirgt sich im Unterholz. Aus dem Gebüsch sieht sie zwei hoch gewachsene Menschenmänner. Sie schätzt sie relativ jung ein, bei Menschen kann man das Alter gut erkennen, anders als bei Elfen, da diese mehrere hundert Jahre alt werden, dabei aber immer noch sehr jung aussehen können. Sie selbst ist mit ihren achtundzwanzig Jahren zwar schon ausgewachsen aber immer noch sehr jung für Elfenverhältnisse. Ihre feinen Ohren lauschen den Stimmen der Menschen. „Wir sollten sie töten, sonst verzaubert sie uns noch“. „Ach was, sie ist alleine. Los, wir vergnügen uns ein wenig mit ihr“. Elayoe versucht unbemerkt näher ranzukommen, vielleicht kann sie ja erkennen von wem die beiden da sprechen. Plötzlich entdeckt sie, am Boden liegend, scheinbar verletzt, ihre Freundin Shayariel, ihr Gewand ist zerrissen, ihre schönen schwarzen Haare zerzaust und einige ihrer Sachen liegen auf dem Boden verstreut. Die Männer packen sie grob an. Elayoe spürt eine Wut in sich anschwellen. Diese Männer, die ihrer Sippe so viel zu verdanken haben zerstörten erst ihr Dorf und wollen sich nun an ihrer Freundin vergreifen. Sie zieht ihre Klinge, ein schlankes aber solides Messer aus Stein. Metall gibt es in den Wäldern kaum, aber ihre Sippe versteht sich meisterhaft auf die Stein- und Holzbearbeitung. Elayoe bricht aus ihrem Versteck und springt geschickt ab und versenkt ihre Klinge in der Seite des einen Mannes, der sich gerade noch umdrehen konnte. Sie spürt, wie die Waffe in ihrer Hand sich durch die Haut und das Fleisch ihres Gegners schneidet und ein Anflug von Bedauern kommt über sie, doch sie verdrängt ihn schnell wieder. Der Verwundete schreit vor Schmerz auf und krümmt sich am Boden. Der andere schwingt herum und schlägt mit einer gewaltigen Holzfälleraxt nach der Angreiferin, verfehlt jedoch. Elayoe sieht ihre Chance, und trifft seine ungeschützte Seite mit ihrem Messer, doch der Mensch scheint zäh zu sein. Unter einem schmerzerfüllten Zischen lässt er die Axt los und schlägt mit den Fäusten nach Elayoe. Ein Hieb trifft sie schmerzhaft zwischen die Rippen und presst ihr die Luft aus der Lunge, ihre Sicht wird von einem Flimmern getrübt und sie beisst die Zähne aufeinander, versucht den gefährlichen Schmerz zu unterdrücken, um nicht die Kontrolle über sich zu verlieren. Der Mann versucht weiter auf sie einzudreschen, doch die kleinere Elfe lässt sich zu Boden fallen und rammt ihm das Messer in den Oberschenkel. Er schreit auf während der Schmerz durch seinen Körper flutet und ihm die Kraft raubt. Er bricht zusammen. Sein Leiden ist kurz, nur wenige Sekunden später dringt die Klinge in seinen ungeschützten Nacken.
Elayoe ringt nach Luft. Sie verspürt einen stechenden Schmerz in ihrer Brust. Zwar ungeschickt, aber kräftig war der Mensch. Sie schleppt sich zu Shayariel hinüber. Erleichterung aber auch Schrecken schwingt in Shayariels Stimme mit: „Ela, welch ein Glück. Die…sie wollten mich…“. Sie hat Tränen auf ihren Wangen. „Sie können dir nichts mehr tun, Shaya. Lass uns bloss fliehen“.
Sie sind einigen weiteren Menschen begegnet, die den Wald durchkämmten, doch sie haben sich jedes Mal rechtzeitig verstecken können und als sie den Bergen näher gekommen sind, haben sie schliesslich keine mehr entdeckt. Doch der brennende Schmerz in Elayoes Brust hat sich auf dem Weg durch den Wald weiter verschlimmert und inzwischen ist sie zu erschöpft um weiter zu gehen. Doch Shayariel entdeckt eine Höhle. Die beiden verbergen sich in diesem Unterschlupf. Endlich ein wenig zur Ruhe gekommen, sprechen sie seit ihrem Aufbruch erstmals wieder. „Vielen Dank, dass du mich gerettet hast, Elayoe, das war wirklich knapp“. Elayoe ist stolz darauf, ihrer stärkeren und geschickteren Freundin geholfen zu haben. „Ich konnte dich ja schlecht einfach da liegen lassen, oder?“, antwortet sie mit einem gequälten Lächeln auf dem Gesicht. Ihre Brust schmerzt. Shayariel sucht in ihren Sachen die sie wieder gefunden hat und nimmt ein wenig nahrhaftes Kräutergebäck hervor. „Leider haben wir kaum was zu essen, das ist alles was ich dabei habe“. Elayoe nickt. In ihrem derzeitigen Zustand würde sie kaum in der Lage sein, Nahrung zu suchen oder gar zu jagen. Und auch Shayariel scheint nicht ganz unverletzt zu sein. Zu erschöpft um noch weitere Worte zu wechseln legen sich die beiden auf den felsigen Boden und fallen bald in einen ziemlich unruhigen Schlaf.
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28.08.2007 11:53 |
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Waldruf
Shayariel erwacht im Morgengrauen. Der steinige Höhlenboden war kein besonders angenehmer Schlafplatz. Ihr Rücken schmerzt ein wenig aber ihre Verletzungen sind nicht besonders schlimm und sie spürt sie kaum mehr. Sie erhebt sich und blickt auf ihre schlafende Freundin. Wie süss sie doch aussieht wenn sie schläft. Sie errötet ein wenig bei diesem Gedankengang und schaut sich erstmal in der Höhle um. Das schwache Licht reicht allemal aus für ihre guten Elfenaugen. Es ist kaum mehr Proviant da. Wasser sollte es zwar in der Nähe zu finden geben, doch auch das muss sie erst suchen. Ihr Gewand aus Bausch, einer Pflanzenfaser die sehr dicht verwoben wird, ist ziemlich zerrissen und eine Decke haben sie auch nicht retten können. Ob ihre Eltern wohl überlebt haben? Und was ist wohl vom Dorf übrig geblieben? Hat der Waldbrand am grossen Wald viel Schaden angerichtet? Und treiben diese verräterischen Menschen sich immer noch hier herum? Zu viele Fragen auf einmal... Am besten eines nach dem anderen. Elayoe scheint es nicht besonders gut zu gehen. Der Schlag scheint ihr eine oder mehrere Rippen gebrochen zu haben. Ein wenig besorgt, beschliesst Shayariel, sich erstmal um die Nahrung und das Wasser zu kümmern. Da sie oft mit ihren Eltern auf die Jagd gegangen ist, weiss sie, wie man sich Nahrung beschafft. Sie sucht nach geeigneten Werkzeugen. Ihr Speer ist leider zerbrochen, aber da lässt sich ein neuer Schaft anfertigen. Ihr Messer hat sie verloren als die Menschen sie überrumpelt haben. Elayoe hat ihr Messer noch. Aber ob sie mit einem Messer jagen könne? So gut anschleichen kann sie sich nun auch nicht. Sie wirft noch einmal einen Blick auf die ruhig schlafende Elayoe und lächelt, das wird schon wieder. Dann verlässt sie die Höhle und schaut sich draussen um. Der Waldbrand scheint diesen Ort nicht erreicht zu haben. Die Bäume sind kräftig und gesund. Äste liegen am Boden. Nach einer Weile der Suche ist ein geeigneter gefunden. Mithilfe einiger Flachsfasern lässt sich ein, zumindest brauchbarer, Speer basteln. Shayariel geht zurück zur Höhle und während sie den Speer anfertigt, erwacht Elayoe. „Guten Morgen Ela“. „Guten Morgen“ keucht diese und saugt die Luft ein. „Dieser Grobian muss mir was gebrochen haben, ich fühle mich schrecklich“. Shayariel nickt. „Vermutlich hat er dir eine Rippe zertrümmert. Das wäre keine Katastrophe und sollte gut heilen“. „Aber es schmerzt so sehr. Könntest du im Wald ein wenig rotes Drachenkräutlein suchen? Der Saft ist schmerzlindernd“. „Gut. Ich werde uns ausserdem ein wenig Nahrung besorgen. Ruhe dich nur aus“. „Vielen Dank, Shaya. Tut mir wirklich leid, dass ich dir so viele Umstände mache“. Shayariel lächelt. Sie hätte für Ela alles getan. Und ausserdem hat sie sie vor den Menschen gerettet. „He, kein Problem. Wir müssen zusehen dass wir am Leben bleiben. So, der Speer wäre fertig. Ich werde uns etwas zu essen besorgen“.
Elayoe ist froh, dass Shayariel diesen Tag des Schreckens so gut überstanden hat, aber ihr drängen sich andere Fragen auf. Was ist mit ihren Eltern, was ist von ihrem Dorf übrig? Viele weitere Fragen, die jedoch vorerst alle unbeantwortet bleiben. Zuerst muss sie wieder zu Kräften kommen. Sie kann doch Shaya nicht alles alleine machen lassen. Sie setzt sich auf. Ah, dieser Schmerz in der Brust. Vermutlich hat Shayariel Recht. Eine gebrochene Rippe ist zwar schmerzhaft aber in zwei Wochen sollte sie wieder vollkommen geheilt sein. Ihre Mutter könnte so etwas innert wenigen Minuten heilen. Als Tochter einer Zaubersängerin sollte sie diese Fähigkeit auch besitzen, doch ihre Ausbildung in den Zauberliedern hat erst vor kurzem begonnen und das Lied der Heilung ist eines der komplexesten. Vielleicht sollte sie sich ein wenig darin üben. Sie konzentriert sich, versucht die Kraft der Natur mittels ihrer Stimme zu lenken, doch der Schmerz unterbricht sie. Sie sollte vielleicht wirklich besser ruhig daliegen. Sie konnte kaum etwas machen. Ach, wäre Shaya nur schon wieder zurück…
Sie streift durch den Wald. Sie hat zwar schon die Fährte eines Ebers entdeckt - sie war kaum zu übersehen, doch das war ihr zu gefährlich. Sie hat sich entschieden in die andere Richtung zu gehen. Sie streicht weiter durch das Unterholz, hinterlässt dabei kaum Spuren. In einem Lederbeutel hat sie einige Brombeeren, die sie gefunden und gepflückt hat. Auch rotes Drachenkräutlein hat sie bereits gefunden. Unterwegs hat sie einen kleinen Bach gefunden und Wasser in ihren Schlauch gefüllt. Sie hat sich Elayoes Messer geliehen, welches an ihrem Gürtel hängt. Ihre Gedanken schweifen zu ihrer Freundin, hoffentlich genest ihre Rippe schnell. Nun, nicht dass es ihr etwas ausmacht, alles alleine machen zu müssen, sie geniesst es sogar, sich um Elayoe zu kümmern. Sie konzentriert sich wieder auf die Jagd. Da sind doch Spuren. Sie kniet sich nieder und untersucht die Abdrücke in der feuchten Walderde. Die könnten von einem Rehbock stammen. Fein, das würde ein ansehnliches Mahl abgeben. Sie folgt den Spuren, bedacht darauf leise zu sein. Nach einigen Minuten erblickt sie einen stattlichen Rehbock. Mit einer Schulterhöhe von etwa einem Schritt ein wahrlich stolzes Tier. Leise und vorsichtig pirscht sie sich an den Bock heran. Sie war schon oft mit anderen der Sippe auf der Jagd und weiss, wie man sich verhalten muss. Sie schleicht sich unbemerkt auf etwa zehn Schritt heran, als der Bock aufschrickt. Schnell, die letzte Gelegenheit nutzend, schleudert Shayariel ihren Speer mit aller Kraft nach dem Tier. Dieses versucht loszuspringen, wird jedoch von dem Speer getroffen, welcher sich tief in die Seite des Bocks gräbt und ihn zu Boden reisst. Schnell ist Shayariel heran und beendet mit ihrem Messer den Todeskampf des Tieres. Sie dankt der Natur für ihre Gabe, bevor sie sich daran macht, das Tier noch an Ort und Stelle auszunehmen und das Fell abzulösen. Auf dem Rückweg pflückt sie noch ein wenig Scharlachkraut und Lavendel um ihr Mahl zu würzen und kehrt dann zufrieden zur Höhle zurück.
Elayoe ist wieder in einen unruhigen Schlummer gefallen, als Shayariel zurückkehrt. Sie beschliesst, sie noch nicht zu wecken. Sie sucht sich Feuerholz und versucht dieses dann zu entzünden, indem sie durch die Reibung zweier Stöcke einen Funken erzeugt, doch es gelingt ihr nicht. Also verlässt sie die Höhle nochmals und sucht sich Äste aus denen sie ein Gerüst bauen kann um das Rehfell aufzuspannen und zu trocknen. Nach dem sie den Pelz aufgespannt hat, betritt sie die Höhle wieder. Elayoe gähnt und blickt zu Shayariel auf. „Du musst durstig sein. Ich habe einen kleinen Bach gefunden. Hier, trink“, sagt diese und hält ihr den Wasserschlauch hin. Elayoe setzt sich auf und trinkt gierig einige Schlucke, verzieht beim Schlucken aber heftig das Gesicht. „Ich habe dir rotes Drachenkräutlein mitgebracht. Ich hoffe es geht dir bald wieder besser“. Elayoe dankt ihr und nimmt die Pflanzen entgegen. Sie schaut sich die Exemplare an und nimmt zwei davon aus dem Bündel und drückt den Saft aus ihren Stängeln in eine kleine Holzschale, die sich bei ihren Besitztümern finden liess, und vermischt den Saft mit ein wenig Wasser und trinkt das Gebräu. Sie lächelt Shayariel dankbar an. Diese versucht sich noch einmal im Feuermachen, doch ohne Erfolg. Elayoe hat sich neben sie gesetzt und lächelt: „Lass mich mal“. Sie beginnt leise zu singen, lenkt durch ihre Stimme die Wärme an einen Punkt um das Feuer zu entfachen, das Feuerlied ist eines ihrer einfachsten Übungen. Ihre schwache Stimme wird stärker und Wärme erfüllt Shayariel. Sie nimmt ihre süsse Stimme glücklich in sich auf. Kaum eine Minute später brennen die Scheite. Shayariel streichelt Elayoe sanft über den Arm, ein stilles Lob.
Der Geruch von gebratenem Wild liegt in der Luft. Ein leises Knistern ist zu hören. Der Rauch zieht durch den Höhleneingang ab und die Höhlenwände schimmern rot im Licht des Feuers. „Ah, lecker. Du bist eine wirklich geschickte Jägerin, Shaya“. Elayoe fühlt sich schon besser. Ihre Brust schmerzt zwar immer noch, doch die Wirkung des Drachenkräutleins hat den Schmerz erträglich gemacht. Die beiden Mädchen tun sich am gebratenen und gewürzten Fleisch gütlich. „Wir müssen herausfinden, was aus den anderen geworden ist“, meint Elayoe. „Erst einmal muss deine Verletzung heilen, oder willst du so den weiten Weg zurück zum Dorf auf dich nehmen?“ und ausserdem ist es wunderbar, mit dir allein zu sein, denkt sich Shayariel, welche für Elayoe mehr als nur Freundschaft verspürt.
Morgen wird sie sich daran machen, ihr Gewand zu flicken und den Pelz zu gerben, wenn sie die nötigen Pflanzen finden kann. Sie verspürt ein wenig Sehnsucht nach ihren Eltern, ihren Freunden, ja dem ganzen Rest der Sippe. Hoffentlich haben sie überlebt. Sobald Elayoe wieder gesund ist, würden sie nach ihnen suchen. Vielleicht würden sie richtige Waffen brauchen, falls sie auf Menschen stossen. Ein Bogen wäre da genau das richtige. Aus den Sehnen des Bocks und Eibenholz liesse sich bestimmt eine Waffe fertigen, die nicht nur zur Jagd zu gebrauchen war.
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28.08.2007 11:55 |
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Schattenkind
Schon ein junger Zaubersänger konnte lebendes Holz nach seinen Vorstellungen formen, solange die Natur es zuliess. Totes Holz war nicht mehr formbar, es konnte nicht mehr wachsen und sich wandeln. Elayoe ist inzwischen wieder zu Kräften gekommen, ihr Bruch scheint verheilt. Elayoe hat mit ihren Liedern einen Bogen aus lebendem Eibenholz geformt, welcher zusammen mit den Pfeilspitzen aus Horn die Jagd sehr erleichterte. Shayariel hat zwei Decken aus Rehleder und einen Wasserschlauch gefertigt und ihre Gewänder geflickt.
Sie sammeln ihre Sachen auf. Sie haben beschlossen, heute zum Dorf zurückzukehren, oder besser, zu dem was davon übrig ist. Shayariel trägt den Bogen und die drei Pfeile die sie angefertigt haben, für den Fall dass sie auf Menschen stossen sollten. Die Decke hat sie mit einer Schnurr aus Flachs zusammengebunden und ihre Sachen darin verstaut. Elayoe hat es genauso gemacht. Es ist noch früh am Morgen. Shayariel huscht durch den Wald, aufmerksam. Elayoe folgt ihr dicht. Die beiden sind nur schwer auszumachen, ihre naturfarbene Kleidung und ihre flinken Bewegungen tarnen sie. Gen Mittag erreichen die beiden den verbrannten Teil des Waldes. Ein kleiner Fluss hat das Feuer scheinbar gestoppt. Verkohlte Äste, umgefallene Bäume, die Erde schwarz vor Russ und Asche. Einige massive, uralte Bäume scheinen das Inferno gut überstanden zu haben doch die meisten stehen nicht mehr. Noch im Schutz des Waldes betrachten die beiden Freundinnen versteckt diese neue künstliche Lichtung. Sie bemerken einige Menschen, welche Holz zersägen und es fortschleppen. Sie fällen die grossen Bäume die den Brand überstanden haben. Weiter entfernt ist ein Pflug zu sehen. Shayariel flüstert leise: „Lass uns versuchen rundum zu gehen. Da sind viel zu viele, sie würden uns bestimmt entdecken“. Die beiden ziehen sich tiefer in den Wald zurück. Elayoe ist von einer tiefen Wut ergriffen. Sie beginnen, die Brandstelle zu umrunden, Ausschau haltend nach Menschen und nach Spuren von Flüchtenden. Doch sie hoffen kaum, noch Spuren zu finden, dafür ist zuviel Zeit vergangen. Nach kurzer Zeit kommen sie zum Schluss: Vom Dorf ist nichts übrig geblieben. Was dem Feuer standgehalten hat, ist den Menschen zum Opfer gefallen. Die beiden beschliessen, ihre Suche aufzugeben, es ist nur gefährlich hier und es ist nichts zu finden. Traurig und zornig treten die beiden den Rückweg an.
Spät in der Nacht erreichen Elayoe und Shayariel die Höhle wieder, die ihnen als Unterkunft gedient hat. „Diese Menschen sollen sterben. Diese Parasiten lassen sich von uns helfen um uns jetzt zu zerstören. Komm, wir zeigen denen was sie davon haben sollen“, droht Shayariel wütend. „Nein, Shaya. Selbst wenn da nicht die Tatsache wäre, dass sie hunderte sind und wir nur zwei, ist das der falsche Weg. Am besten wir wandern weiter, in der Hoffnung unsere Sippe wieder zu finden oder eine andere Sippe die uns aufnimmt“. „So, wie wir es immer gemacht haben? Wie wir immer nachgegeben haben und uns von den Menschen den Platz haben rauben lassen? Irgendwann muss es ein Ende haben, Ela. Wir sind nur zwei, aber zwei sind schwerer zu finden als hunderte. Wir können uns im Wald verbergen oder in den Bergen und wir können viele von ihnen töten“. „Die Wut verschleiert dir den Verstand, Shayariel Sturmsucher. Hör mir zu. Ich werde nicht gegen unsere Natur handeln. Wenn du dies tust, musst du es alleine tun, doch ich wünsche mir, du würdest dich anders entscheiden“. „Ela…“, begann Shayariel, „Ela, ich würde niemals diesen Weg gehen wollen, wenn ich ein anderes Mittel wüsste. Doch ich würde es nicht über mich bringen, dich allein ziehen zu lassen“. Ein Lächeln auf Elayoes Gesicht. „Ich habe eine Idee. Wir werden kämpfen, aber nicht mit roher Gewalt. Wir werden herausfinden was hinter diesem ganzen steckt. Es ist doch seltsam wie sich die Menschen verhalten haben. Die Menschen haben ja die eigenartige Angewohnheit einen Führer zu bestimmen, der ihnen vorgibt was sie tun sollen. Wie wäre es, wenn wir uns in ihr Dorf schleichen und uns diesen Anführer mal aus der Nähe anschauen?“, schlägt diese sehr bestimmt vor. „Einverstanden. Doch ich werde die Menschen nicht schonen, sollten sie uns in den Weg kommen“. „Das habe ich auch nicht erwartet“. Sie nickt entschlossen: „Gut, so werden wir es halten. Morgen brechen wir auf und schleichen uns in der Nacht ins Dorf und pressen diesen Anführer aus. Wenn wir uns schützen müssen, werde auch ich mich nicht zurückhalten“.
Am nächsten Morgen liessen die beiden Elfen den grössten Teil ihres Besitzes in der Höhle und machten sich, nur mit ihren Waffen und ein wenig Proviant auf den Weg zum Dorf der Menschen. Sie umgingen die Brandlichtung grossräumig und erreichten den Waldrand gegen Abend. Shayariel blickt zum Himmel: „Wir haben Neumond, es wird eine dunkle Nacht. Sie werden uns nicht bemerken“. Den beiden Elfen reicht das schwache Sternenlicht aus um sich im unnatürlichen Dorf zu orientieren. Sie fühlen sich nicht sehr wohl, dieses Dorf wurde gegen den Willen der Natur errichtet, unzählige Bäume mussten dafür sterben und die beiden Elfen spüren das. „Welches wohl das Haus des Anführers ist?“ flüstert Shayariel. „Vermutlich das grösste. Oder das dort, mit den Ochsenschädeln und den Fackeln vor dem Eingang. Lass uns dort mal nachschauen“. Ihr Flüstern wäre schon drei Schritt weiter für einen normalen Menschen nicht mehr zu hören gewesen. Doch der Schamane war kein gewöhnlicher Mensch. Seine Sinne waren weit schärfer als die von gewöhnlichen Menschen. Er umfasst seinen Stab, ein fast zwei Schritt langer Ast einer Eiche, mit eingeritzten Ritualrunen der an einem Ende von einem menschlichen Schädel geziert wurde und tritt vor die Tür. Er spürt die Anwesenheit der Elfen, auch wenn er sie nicht sehen kann. Doch diesen kleinen Makel nutzte Elayoe und ist an ihm dran, bevor er sie richtig erfasst hat. Sie hält ihm ihr Messer an den Hals und drängt ihn in seine Hütte zurück. Sie gibt sich sicher, doch innerlich ist sie unruhig. Shayariel folgt ihnen kurz darauf, mit dem bespannten Bogen und einem Pfeil in den Händen aufmerksam die anderen Häuser betrachtend. Es scheint sie keiner bemerkt zu haben. „Wieso habt ihr uns angegriffen?“ richtet Elayoe sich an den Schamanen in Menschensprache mit einem deutlichen Akzent. Der Schamane lacht nur. Elayoe drückt die Klinge ein wenig stärker gegen den Hals des Schamanen woraufhin diesem sein Lachen im Halse stecken bleibt. „Der grosse Geist wollte es so. Ihr habt uns verhext“. „Der grosse Geist?“. Shayariel schaut sich in der Zwischenzeit neugierig in der Hütte des Schamanen um. Was hier alles Eigenartiges herumsteht. „Ja, der grosse Geist, unser Gott. Er ist ein mächtiges Wesen und spricht nur zu Schamanen“. Shayariel nimmt ein Tongefäss mit einem Pulver von einem Holzbrett, betrachtet es und riecht kurz daran: „Schau mal, kommt dir dieser Geruch nicht bekannt vor?“. Elayoe muss nur kurz überlegen. Denselben Geruch hat sie schon beim Feuer gerochen. Ein Schaudern durchfährt sie bei der Erinnerung. „Was ist das?“, fragt sie den Schamanen. „Feuerpulver“, grinst dieser. „Woher habt ihr das?“. „Gefunden“, antwortet der Schamane, einen Moment zu langsam, einen Tick zu unsicher. Elayoe bemerkt die Lüge sofort, liest sie geradewegs aus seinen Augen. „Woher habt ihr das?“ fragt Elayoe nochmals, mit einem Unterton der deutlich macht, was passieren würde, wenn sie keine zufrieden stellende Antwort bekäme, auch wenn sie sich nicht sicher war, ob sie wirklich zustechen würde, Hauptsache der Schamane war davon überzeugt. „Wir…wir haben das von den Wanderern. Die Wanderer gaben uns das Feuerpulver und anderes. Sie wollten nicht viel dafür. Nur Unterkunft und Essen. Sie schenkten uns auch diesen Halsschmuck und Waffen“. Elayoe wirft einen Blick auf den Halsschmuck des Schamanen, durchtrennt das Lederband mit einem Ruck ihres Messers. Auf eine solche Gelegenheit schien der Schamane nur gewartet zu haben. Er packt seinen Stab und schlägt nach Elayoe. Doch er hatte keine Chance, Elayoe hat genau das erwartet. Die Elfe reagiert schneller und das Messer frisst sich durch Haut und Fleisch geradewegs in seine Brust. Der alte Mann sackt zusammen, der Stab fällt zu Boden. Bedauernd wendet sich Elayoe ab und wischt ihr Messer an einem Tuch sauber und steckt die Halskette in einer Gürteltasche. „Lass uns gehen, hier gibt es nichts mehr zu tun für uns“. Shayariel verstaut das Feuerpulver und die beiden verlassen das Dorf so leise, wie sie gekommen sind.
An einem ganz anderen Ort bleiben die Taten der beiden Elfen nicht ganz unbemerkt. „Eines der Amulette hat unerwartet den Besitzer gewechselt, Herr. Eine Elfe scheint in seinen Besitz gekommen zu sein“. „Eine Elfe sagst du. Das ist wirklich überraschend. Da scheint wohl einer der Schamanen ein wenig verfrüht ins Gras gebissen zu haben. Ich will lieber kein Risiko eingehen. Schick den Verlorenen zu mir“. „Den Ver-Verlorenen, Herr?“. „Habe ich mich unklar ausgedrückt?“. „Nein Herr, ich eile“.
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Kristallglanz
Gen Morgengrauen erreichen die beiden Elfen ihre Unterkunft und legen sich sogleich schlafen, es ist ein anstrengender Tag gewesen. Nach einigen Stunden Schlaf wacht Elayoe auf. Sie blickt sich um. Enttäuscht registriert sie, dass Shayariel nicht da ist. Sie bemerkt eine Botschaft, mit Kohle geschrieben, die Shayariel ihr hinterlassen hat: „Bin jagen. Vor der Dämmerung zurück. Shaya“. Nun, dann wollte Elayoe die Zeit nutzen und sich dieses Amulett genauer ansehen, welches immer noch in ihrer Gürteltasche liegt. Sie nimmt es hervor. Es hängt an einem Lederband, ein kleiner Ring aus schwarzem Stein der einen klaren Kristall einfasst. Der Anblick lässt sie frösteln, wieso weiss sie nicht. Gut gearbeitet, bestimmt kein Stück das man gegen Unterkunft und Nahrung eintauschte, wenn man nicht verzweifelt war. Diese Wanderer waren ihr unheimlich. Es scheint fast, als wollten sie diesen Stamm gegen ihre Sippe aufhetzen. Vielleicht ist mehr an dem Halsschmuck dran, als man auf den ersten Blick erkennen kann. Sie legt das Amulett vor sich auf den Boden. Dann konzentriert sie sich darauf und beginnt ein langsames, leises Lied zu singen.
Zufrieden mit ihrer Beute, zwei Kaninchen, kehrt Shayariel zur Höhle zurück. Als sie den leisen Gesang von Elayoe hört, bleibt sie stehen und lauscht. Wunderschön, denkt sie sich. Sie könnte stundenlang nichts anderes tun, als Elayoes reiner Stimme zu lauschen. Sie betritt leise die Höhle und betrachtet ihre Freundin wie sie da sitzt und singt, lauscht ihrem Gesang und Glück erfüllt ihr Herz.
„Der Anhänger ist von einer schleierhaften Magie durchzogen. Eine Art Zauber wie ich sie noch nie gespürt habe“, meint Elayoe am Abend am Feuer, während sie die Kaninchen und eine Art Salat aus verschiedenen Waldkräutern verspeisen. Eicheln, junge Tannentriebe, Brunnenkresse und vieles mehr finden sich in dem nahrhaften Mahl. „Was diese „Wanderer“ damit wohl bezwecken wollten?“. „Ich vermute, sie haben den Schamanen damit beeinflusst. Vermutlich sind die Schuldigen an dieser Nacht nicht einzig der Stamm sondern vor allem die Wanderer“. „Was führen die bloss im Schilde? Ich denke nicht, dass dieser Stamm der einzige ist, den sie aufgesucht haben“. Schockiert geht Elayoe auf, was das bedeuten würde. „Ach du meine Güte. Daran hab ich noch gar nicht gedacht. Aber du hast Recht. So etwas wie in unserem Dorf könnte überall geschehen. Wir müssen einen Weg finden die anderen zu warnen. Wir könnten nach Norden aufbrechen, in den Dryadenwald und Imion, den Weisen, aufsuchen. Vielleicht kann er sagen, was er mit den Wanderern und diesem Schmuckstück auf sich hat und bestimmt kann er die anderen Sippen warnen“.
Am nächsten Morgen sammeln die beiden jungen Elfen ihre Sachen zusammen. Entschlossen diese Höhle nun für immer zu verlassen. Der Weg zum Dryadenwald ist weit und sie hoffen, dass sie bei einer Sippe dort Unterschlupf finden könnten. Die Ereignisse haben ihre Freundin sehr verändert, denkt Shayariel. Ihre zurückhaltende, ängstliche Art ist einem Funken gewichen, der sie antreibt, zäh und entschlossen. Die Elayoe, die sie in der Schamanenhütte kennen gelernt hat, ist ihr neu, doch die Veränderung gefällt ihr.
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Regengeist
„Der Verlorene ist eingetroffen, Herr“. „Sehr gut, schick ihn herein und lass uns alleine“. „Sehr wohl, Herr“. Der Diener verlässt den Raum. Nur Sekunden später betritt der Verlorene den Raum, das Gesicht wie gewöhnlich mit Tüchern verschleiert. Seine Augen schimmern im Licht der Fackeln grün und blau. Sein Körper ist schlank, sein Gang zeugt von Stärke und Geschick, seine Kleidung ist in dunklem braun und grün gehalten, vermutlich sieht sein Opfer ihn in der Wildnis erst, wenn sein Dolch bereits in dessen Brust steckt. „Ich mag es nicht, das Gesicht meines Gegenübers nicht zu kennen“, „Nun, damit musst du leben, Wanderer. Ich weiss das du mich brauchst“. Wo er Recht hat… „Kommen wir gleich zum Auftrag. Irgendwo im Wirrwald ist ein Amulett entwendet worden. Die Diebin scheint eine junge Elfe zu sein. Langes silbernes Haar, bernsteinfarbene Augen, für eine Elfe recht hoch gewachsen. Ihr Name ist Elayoe. Sie ist nicht alleine. Ich will das Amulett und die Ohren der Elfe“. „Irgendwo im Wirrwald? Ich bin doch kein Zauberer. Wie soll ich das Ziel dort jemals ausfindig machen?“. „So, wie wir sie aufgespürt haben. Durch das Amulett. Jedes Amulett hat ein Gegenstück. Dadurch kann man den Träger aufspüren. Doch sie scheint das Amulett nicht zu tragen, deshalb ist es nicht sehr genau“. „Nun gut, das sollte reichen. Das Ziel ist nicht allein, muss zuerst noch aufgespürt werden, einen Gegenstand muss ich mitbringen. Das wird teuer“. Obwohl man sein Gesicht nicht sehen kann, spürt man, dass der Verlorene lächelt. „Ich habe genug Gold, Verlorener. Sag deinen Preis“. Ein leises Lachen. „Du kennst mich nicht sehr gut, was? Ich nehme kein Gold als Bezahlung. Ich möchte die Eisklinge“. Die Eisklinge war eine lange Klinge, geschaffen von den ersten, den hohen Elfen, durchwirkt mit Magie, ein Artefakt von unschätzbarem Wert. „Woher weißt du dass ich sie habe? Das ist ein wirklich teurer Preis. Aber abgemacht. Die Eisklinge sei dein wenn dein Auftrag erfüllt ist“. Der Verlorene verlässt den Raum und lässt sich vom Diener dieses Amulett aushändigen. Er macht sich auf den Weg. „Ich traue dir nicht, Wanderer. Ich traue dir nicht“ denkt er.
Sonnenstrahlen fallen vereinzelt durch das Blätterdach, die Luft ist erfüllt vom Zwitschern der Vögel, sie riecht nach Kräutern und Blumen. Elayoe und Shayariel wandern durch diese idyllische Landschaft. Shayariel scheint glücklich zu sein, Elayoe eher ein wenig betrübt. „Weißt du, Shaya, vielleicht sind wir die letzten unserer Sippe. Betrübt dich dieser Gedanke nicht?“. „Ach, wir sind eine zähe Sippe. Ich glaube nicht, dass die anderen alle tot sind. Ausserdem haben wir ja uns. Wir werden nicht einsam sein“. Elayoe errötet ein wenig. Doch auch Shayariel kann ihre Sorgen nicht ganz hinwegfegen. Die beiden wandern weiter. Langsam geht der Wald in felsiges Gebiet über. Bäume werden weniger, weicher Waldboden weicht langsam härterem Grund. Die beiden Elfen kommen gut voran. Doch als der Abend hereinbricht suchen die beiden einen Unterschlupf. Der Himmel hat sich im Laufe des Tages verdüstert und die ersten Regentropfen beginnen zu fallen. Der Regen steigert sich bald zu einem wahren Sturzbach. Die beiden hetzen durch den Regen. Shayariel immer ein paar Schritte voraus. „Da, eine Hütte!“, ruft sie mit voller Kraft, doch kaum laut genug um das Prasseln des Regens zu übertönen. Durchnässt nähern sie sich der Holzhütte, in der Hoffnung, dort eine Unterkunft zu finden, doch auch mit ein wenig Angst, auf Menschen zu treffen, die ihnen vielleicht feindselig gesinnt sind.
Es ist Nacht geworden, Drog kennt die Nacht. Wie üblich steht er Wache. Es haben schon einige Diebe versucht den Schatz zu stehlen, den er bewachen soll, doch er hat sie alle erwischt. Der Wanderer hat ihn zu schätzen gelernt. Sein Sold ist gut, seine Unterkunft auch. Ein Geräusch. War da nicht jemand? Er lauscht, das Geräusch kam aus diesem Gang. Da, nochmals. Wie leise Schritte, als würde jemand sich Mühe geben leise zu sein, der nicht besonders geschickt ist. Drog zieht seine Klinge und fragt laut und verständlich: „Wer da?“. Keine Antwort, wieder Schritte. Drog packt seine Klinge fester und geht zum Gang. Er sucht ihn ab. Nichts zu sehen, aber das Geräusch kam eindeutig von hier. Drog hat gute Augen und er ist sich die Dunkelheit gewöhnt. Er wirft noch einmal einen Blick in den Gang hinein und geht dann zurück zu seinem Posten. Doch noch bevor er diesen erreicht, springt eine Gestalt von oben auf ihn herab. Bevor Drog realisiert was hier geschieht, spürt er einen glühenden Schmerz in seiner Kehle. Blankes Entsetzen kommt in ihm auf. Er will schreien, doch nichts als Blut füllt seinen Mund, keine Luft, keinen Ton. Sekunden später spürt er nichts mehr.
Shayariel klopft an die Tür der Menschenhütte. „Ist da jemand?“, ruft sie in der Menschensprache, „Wir suchen Schutz vor dem Sturm“. Der Regen war mittlerweile so stark geworden, dass man kaum drei Schritt weit sehen konnte. Ausserdem haben sich Blitze und gewaltige Donnerschläge in den Sturm gemischt. Kein Wetter um weiter zu ziehen. Shayariel und Elayoe waren total durchnässt. Ungeduldig und noch immer hoffend wartet Shayariel. Die Tür der Hütte geht auf. Ein alter Mann mit langem Bart und nur noch wenigen, grauen Haaren öffnet die Tür und blickt die beiden jungen Elfen an und bedeutet ihnen einzutreten. „Was führt denn zwei Mädels wie ihr in diese Gegend. Normalerweise kommt niemand an meinem Haus vorbei. Aber setzt euch doch, teilt mein Brot mit mir und erzählt“. Dankbar setzen sich die beiden jungen Elfen. In der Hütte brennt in einem kleinen Kamin ein wärmendes Feuer. Shayariel ist erleichtert. „Wir sind auf der Reise und wurden vom Gewitter überrascht“. Der alte Mann bringt zwei Stück Brot und eine Schüssel voll Suppe. „Ihr seid vom Waldvolk, nicht wahr? Es ist mir eine Ehre euch zu bewirten. Esst, stärkt euch und wärmt euch an meinem Feuer“. Elayoe lächelt dem Mann dankbar zu. Shayariel mustert misstrauisch das Brot. Es hat Ähnlichkeiten mit dem Kräutergebäck, das sie kennt, doch Brot hat sie noch nie gegessen. Sie greift nach einem Stück und beisst rein. Schmeckt ja gar nicht schlecht, nur etwas eigenartig. Aus was das wohl besteht? Nun, sie will es gar nicht unbedingt wissen, so wie es aussieht könnte es aus irgendwelchen Schwämmen gemacht sein. Elayoe beginnt nun auch zu essen und der Mann beobachtet die beiden interessiert. Er hat das Waldvolk noch nie aus der Nähe gesehen, doch was man sich über sie erzählt scheint zu stimmen. Ihre langen, spitzen Ohren mögen bestimmt auch die leisesten Geräusche wahrnehmen und ihre Augen sehen aus wie die von Katzen. Fast doppelt so gross wie Menschenaugen, schräg im Gesicht und mit einer Iris die wie ein Edelstein strahlt wirken sie geheimnisvoll und mystisch. Nachdem die beiden Waldbewohner ihren Hunger gestillt haben, bedanken sie sich beim Einsiedler. Dieser blickt zum Fenster heraus. „Der Regen wird wohl so bald nicht aufhören, wenn ihr wollt, dürft ihr bleiben bis das Wetter eure Weiterreise wieder möglich macht. Meine Hütte ist zwar recht klein aber für euch finden wir schon einen Platz“. Scheinbar sind doch nicht alle Menschen böse, denkt Shayariel. Elayoe lächelt ihr zu, als wolle sie sagen „Siehst du?“. Der Alte nimmt die Kerze die ein kleines bisschen Licht in der Finsternis des Sturms spendet und bedeutet den beiden Elfen zu folgen. Er führt sie in das zweite Zimmer der Hütte. Es ist nicht sehr gross und ausser einem einfachen Bett, einem Stuhl und einigen Decken ist nicht viel darin zu sehen. „Ihr könnt mein Bett haben, edle Waldwesen. Ich werde im anderen Zimmer schlafen“. Elayoe wollte widersprechen, doch der Alte lächelt nur. „Es ist schon gut so. Ruht euch aus während dieses Unwetter tobt. Gute Nacht“, und mit diesen Worten verlässt er den Raum.
Shayariel beobachtet Elayoe dabei, wie sie sich ihrer triefenden Kleidung entledigt und sie über den Stuhl hängt, danach die Kerze sorgfältig auspustet und dann zu ihr unter die Decke schlüpft. Shayariel macht es nichts aus, dass das Bett so klein ist. Eng schmiegt sie sich an Elayoe, fühlt ihre Wärme, spürt ihre weiche Haut. Sie legt ihr einen Arm um den Körper und drückt sie sanft an sich. Elayoe wehrt sich nicht, sie geniesst die Geborgenheit die Shayariel ihr bietet. Leise hört sie das sanfte Flüstern. „Ich liebe dich, Ela. Versprich mir, dass wir uns nie verlieren“. „Ich verspreche es dir, Shaya“.
Die Luft hier ist heiss. Und je weiter er in die Tiefe schreitet, desto heisser wird sie. Schweiss rinnt ihm über das Gesicht. Gleich ist er da und kann endlich den Fortschritt seines Werkes betrachten. Er betritt die runde Halle, tief unter dem Berg, die Quelle dieser unnatürlichen Hitze. Sechs Sippen waren schon ausgelöscht, sechs Siegel schon gebrochen. Und es war nur eine Frage der Zeit, bis die anderen sieben auch brechen würden. Dann wäre es soweit. Er kniet sich inmitten der dreizehn Siegel nieder und beginnt zu beten. Göttin, gewähre mir deine Weisheit, fleht er. Und sie gewährt ihm eine Vision.
Regen peitscht sein Gesicht, seine Gewänder sind durchnässt und man sieht kaum etwas, doch seine Augen sind scharf. Er treibt Flammenwind an. Er rast durch die Landschaft. Kein normaler Mensch würde diese Nacht zum reisen nutzen. Und kein normales Pferd würde dieses halsbrecherische Tempo durchhalten. Doch der Verlorene war kein Mensch und Flammenwind war ein besonderes Pferd. Er hatte es vom Wüstenfürsten für ein beendetes Leben bekommen. Es war das stärkste Pferd seiner Zucht und es hatte dem Verlorenen schon viele gute Dienste geleistet. Seine Hand tastet verstohlen nach der Eisklinge. Seinen Lohn bevorzugt er im Voraus zu bekommen, besonders wenn er seinem Auftraggeber nicht trauen konnte. Doch der Wanderer war da stur gewesen. Es war schade um den Wächter, er hat fähig gewirkt. Der Verlorene hatte keine Freude am töten. Es war sein Beruf, er nahm ihn ernst, doch Freude verspürte er dabei keine.
„Und ich hab Drog für fähig gehalten!“, rief er aus. „Der Verlorene hat ihn getötet, die Tür geknackt, die Eisklinge entwendet und seine Leiche in der Kammer versteckt. Ausser Drog schien niemand etwas bemerkt zu haben und er hat dafür mit seinem Leben bezahlt. Er konnte noch nicht mal um Hilfe rufen, wie es scheint“. Wir können dem Verlorenen nicht trauen, denkt er. Die Göttin hat mich gewarnt, dies ist die Strafe. „Wir werden die Sache selbst in die Hand nehmen. Warne die Wanderer vor dem Verlorenen und der Elfe mit dem Amulett“. „Jawohl mein Herr, ich werde gleich die Boten beauftragen“.
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28.08.2007 11:56 |
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Steinspitze
Sonnenstrahlen fallen durchs Fenster herein. Der Mann blickt auf die beiden schlafenden Elfen die sich eng aneinander geschmiegt haben herab. Der Mann lächelt und geht wieder in den Raum nebenan. Dort richtet der Mann das Morgenbrot. Er selbst isst normalerweise wenig, doch nun hat er Gäste zu versorgen. Sie werden wohl bald wieder aufbrechen, denkt sich der Mann. Schade eigentlich, er hatte schon lange keine Gesellschaft mehr. Die beiden sind wirklich interessant. Sie scheinen beide weiblich zu sein, doch die Waldwesen scheinen sich nicht so sehr um Geschlechter zu kümmern. Kein Wunder gibt es so wenige von ihnen. Der Mann muss bei diesem Gedanken schmunzeln.
Nach einem kräftigen Frühstück haben Elayoe und Shayariel sich beim alten Einsiedler herzlich bedankt und sich wieder auf den Weg gemacht. Die Tropfen auf den Bäumen glitzern im Licht der Morgensonne, die Wolken haben sich verzogen und die Elfen wandern fröhlich weiter. Am heutigen Tage gedenken sie, den Schlangenpass zu überqueren, der die Grenze des Wirrwaldes darstellt. Auf der anderen Seite der Berge beginnt dann die Steppe, welche zwischen dem Wirrwald und dem Dryadenwald liegt. Das Gelände wird felsig. Vom Wald ist nicht mehr viel zu sehen. Shayariel kennt den Weg auch nur vom hören. So weit haben sich die beiden noch nie vom Dorf entfernt. Das Gebirge gilt als gefährlich. Dort leben allerlei gefährliche Raubtiere. Berglöwen, Pumas, kreischende Harpyien und majestätische Mantikore. Doch das Gebirge zu umrunden würde Wochen, wenn nicht Monate dauern. So lange konnten sie nicht warten, also mussten sie durch die Berge, auch wenn es ihnen unbehaglich war. Einige Male müssen sie klettern, weil ein Hang zu steil ist, doch sie haben Übung aus den Wäldern und kommen gut voran. Sie sehen aus der Ferne ein grausiges Schauspiel mit an. Eine Harpyie, eine Frau mit verzerrtem Gesicht und grossen Adlerflügeln und Vogelkrallen, stürzt sich auf einen Ziegenbock. Ihre Krallen graben sich in seinen Körper und mit dem Schwung des Sturzfluges reisst die Harpyie ihn einen Hang hinab, fängt sich wieder, nur um den, durch den Sturz schwer verletzten, Bock erneut anzugreifen. Elayoe ist nur froh, hat sich die Harpyie kein anderes Opfer ausgewählt und auch Shayariel durchfährt ein schaudern.
Hier im Gebirge musste er Flammenwind zurücklassen, viele Stellen waren für ihn unmöglich zu überwinden. Der Verlorene klettert die steilen Hänge mit Leichtigkeit hoch. Seine Kleidung hat er ans Gebirge angepasst und er ist schwer zu erspähen. Eine Harpyie hat ihn entdeckt, doch die musste dafür mit ihrem Leben bezahlen. Er setzt seinen Weg fort. Der Träger des Amulettes muss hier irgendwo in der Nähe sein. Der Verlorene seufzt. Einen wunderbaren Ort hatte sich sein Ziel zum sterben ausgesucht.
Am Nachmittag hatten sie den eigentlichen Schlangenpass hinter sich gebracht. Es war nicht besonders aufregend oder gefährlich gewesen. Die Raubtiere hatten sie in Ruhe gelassen und sich auf ihre gewohnte Beute konzentriert und darüber waren sie sehr froh gewesen. Die beiden jungen Frauen hatten nur wenige Worte gewechselt. Nicht das mehr nötig gewesen wären. Nun ging es wieder an den Abstieg. Die Stellen sind nie besonders schwer, doch mit viel Gepäck, einem Reittier oder wenn man keine Übung hat, gibt es durchaus einige kritische Stellen. Shayariel geniesst die Wanderung an sich, auch wenn sie sich ein wenig Sorgen um den Rest der Sippe macht. Sie glaubt nicht, dass ihre Eltern tot sind, aber sie weiss nicht, wie sie sie wieder finden soll. Doch die schönen Landschaften, die Abenteuer und nicht zuletzt die Gesellschaft von Elayoe, welche sie in den letzten Wochen stärker zu schätzen gelernt hat überdecken diese Sorgen zumindest. Die beiden erreichen einen kleinen Hang. Flink klettern sie herunter. Plötzlich ist ein Brüllen zu hören. Ein wildes, urtümliches Brüllen. Shayariel blickt schockiert in die Richtung des Geräusches. Ein gewaltiges Monster mit ledrigen Fledermausflügeln, einem Löwenkopf und einem langen gebogenen Stachel scheint die beiden Elfen erspäht zu haben und fliegt im Sturzflug auf sie los. Ein Mantikor, schiesst es Shayariel durch den Kopf. Ein gefürchtetes Monster, der Herrscher der Berge. Jetzt konnten sie nur noch beten. „Lauf!“, ruft sie und rennt los. Ein gewaltiges Krachen, als das Monstrum auf dem Felsboden aufsetzt, wohl eine Art Bruchlandung, gefolgt von einem erneuten Brüllen. Panik macht sich in Shayariel breit. Shayariel wirft einen Blick nach Elayoe, ihre Freundin ist dicht hinter ihr, sie ist genauso in Panik wie sie selbst. Sie rennen, schlagen Haken um dem Mantikor zu entwischen, doch er scheint schneller zu sein und vor allem – er kann fliegen. In einem Moment der Unachtsamkeit strauchelt Shayariel. Jetzt ist es aus, denkt sie sich. Tränen, vom Schmerz und der Verzweiflung beginnen sich in ihren Augen zu sammeln. Ein siegessicheres Brüllen des Mantikors. Oder war es eher schmerzerfüllt? Eine Gestalt in braungrauen Gewändern steht einige Schritt vor ihnen mit einem Bogen in den Händen und genau in diesem Moment saust ein weiterer Pfeil von der Sehne. Wer ist das denn? Unter schmerzerfülltem Brüllen stürmt der Mantikor auf die Gestalt zu, welche sich geschickt unter ihm hinwegduckt. Nochmals ist ein grausiges Gebrüll zu hören. Die Gestalt richtet sich auf und der Mantikor bricht zusammen. Shayariel staunt nicht schlecht. Der Fremde muss ganz schön stark sein.
„Das war ja ganz schön knapp, hm? Was treibt denn zwei Mädchen wie euch an diesen gefährlichen Ort?“. Shayariel wirft Elayoe einen Blick zu, sie ist ein wenig ratlos. Dieser Fremde macht einen geheimnisvollen Eindruck. „Wir sind auf Reisen. Wir wollen in den Dryadenwald“, sagt sie vorsichtig und versucht, kein Misstrauen zu erwecken. „Dryadenwald, soso. Das ist aber noch ein langer Weg“. Der Fremde macht einen Schritt auf Elayoe zu. Um seine langen Elfenohren wallen schwarze Haare und seine seltsamen Augen, ein blaues und ein grünes, scheinen die Situation vollständig zu überblicken. Im Kampf hat man seine Stärke und sein Geschick sehr klar gesehen, auch wenn man es ihm sonst nicht ansehen würde. Seine Kleidung ist ebenfalls sehr seltsam. Die graubraunen Tücher die eng um seinen Körper gewickelt sind, machen ihn in dieser felsigen Gegend so gut wie unsichtbar, auch seine Bewegungen lassen ihn unscheinbar wirken, doch Elayoe hat ihn kämpfen gesehen. Irgendetwas sagt ihr: „Dieser Mann ist gefährlich“. Dennoch war es für sie eine erschreckende Überraschung, als er sie plötzlich ziemlich hart packte und ihr seine Klinge an den Hals hielt. Angst machte sich in ihr breit. Eben erst hatte er sie vor der Bestie gerettet und nun hielt er ihr ein Messer an die Kehle? Sie versuchte ruhig zu bleiben, doch es gelang ihr nicht besonders gut. „Eine von euch hat ein Amulett bei sich. Jemand vermisst es schon“. Ein schneller Blick in die Augen der Mädchen reicht um ihm den Aufbewahrungsort des Amulettes zu verraten. Er hielt die Klinge dicht an ihrem Hals und griff mit der anderen Hand in die Gürteltasche und zog das Amulett heraus. Elayoes Herz hämmert gegen ihre Brust. Nun hat er es, was wird er als nächstes tun? Mich töten? Er hielt es hoch und betrachtete es prüfend, ohne den Griff zu lockern. „Jemand möchte euch tot sehen. Sagt mir warum, erzählt mir alles, oder ich werde seinem Wunsch schnell genüge tun“.
Die beiden erzählten ihm ihre Geschichte. Ihre Stimmen zeugten von der Anspannung. Während der ganzen Zeit bangte Shayariel, er könnte damit nicht zufrieden sein und Elayoe oder auch sie beide töten. Der Verlorene lässt die Klinge sinken und steckt sie ein. Während die beiden erzählten, hat er sie aufmerksam beobachtet. Er glaubt, die Wahrheit von einer Lüge unterscheiden zu können. Diese beiden haben die Wahrheit gesprochen. „Nun gut, ich glaube eure Geschichte. Doch erklärt das nicht, wieso man mich damit beauftragt hat, euch zu töten. Ich werde mit euch reisen und ein Auge auf euch haben. Diese Sache gefällt mir nicht. Da muss mehr dahinter sein“. Das glaubt Elayoe auch. Besonders nun, da man einen Mörder auf sie angesetzt hatte, der zum Glück seine Meinung geändert hat. „Dann lasst uns mal weiterziehen, durch herumstehen kommt ihr nicht in den Dryadenwald“. Erleichtert atmet Shayariel auf. Der Verlorene nimmt sein Amulett ab und steckt es, zusammen mit dem, das er Elayoe abgenommen hat, in eine Gürteltasche. Nur wenige Momente später machen sich die drei schweigend an den weiteren Abstieg.
Die Sonne geht langsam unter, die letzten Strahlen werfen ihr Licht über die zerklüfteten Gipfel und erzeugen ein faszinierendes Schattenspiel in der Felslandschaft. Der Verlorene geht voran. Die drei schlagen ein hohes Tempo an. Sie sind schon fast am Fuss der Berge. Es ist schon dunkel als sie ihr Lager aufschlagen. Erschöpft und beunruhigt lassen sich die beiden jungen Elfen nieder. Die Reisenden entzünden ein Feuer, wärmen sich daran und essen den Rest ihres Proviants. „Wir haben dir alles erzählt, Fremder, vielleicht wäre es an der Zeit, dass du uns auch ein wenig über dich mitteilst“, spricht Shayariel aus, was Elayoe schon die ganze Zeit auf der Zunge liegt, doch sie hat den Mut es auszusprechen einfach nicht gefunden. Der Verlorene lächelt. „Nun gut, ein wenig kann ja nicht schaden“, doch die Worte klingen so, als ob er der Meinung sei, es könne sehr wohl schaden. „Man nennt mich den Verlorenen, doch sprecht mich besser mit Mandavar an. Ich bin, wie euch vielleicht aufgefallen ist, ein Assassine, doch ich arbeite nicht für jeden, auch wenn er genug Gold besitzt. Man sagt, ich sei der beste, doch ich mache mir nichts aus der Meinung anderer Leute. Ich habe diesen Auftrag unüberlegt angenommen, ich denke ich werde es bereuen, denn ich habe nicht vor, euch so bald zu töten“. Nicht so bald. Das hört sich auch nicht besonders beruhigend an. Ein wenig Abseits des Feuers legen sich die beiden jungen Elfen dicht nebeneinander und flüstern leise miteinander. Sie misstrauen Mandavar, in Elayoes Worten schwingt klar merklich Angst mit und auch Shayariel fürchtet sich vor dem düsteren Elfen
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Steppenläufer
Am nächsten Morgen stehen die Reisenden wieder früh auf. Vor ihnen liegt die grosse Ebene, das weite Grasland, welches im Süden vom Wirrwald und den Steinspitzenbergen und im Norden vom Dryadenwald begrenzt wird. Während sich Elayoe und Shayariel zum Aufbruch bereit machen, verschwindet Mandavar, taucht aber nur wenig später wieder auf, einen edlen Reithengst an den Zügeln führend. „Los, brechen wir auf“. Mandavar schwingt sich auf sein Tier und reitet in Schritttempo neben den beiden her. Nun sind sie zwar nicht mehr alleine, doch ob ihr Begleiter Schutz oder Gefahr darstellt, vermag Elayoe nicht zu sagen. Mandavar selbst wohl auch nicht. Langsam steigt die Sonne zum Zenit, sie brennt erbarmungslos auf die Reisenden herab. Auf dieser Seite der Berge ist Regen selten. Das Gras ist trocken und grössere Pflanzen sind kaum zu sehen, manchmal ein Gebüsch oder ein knorriger alter Baum. Gesprochen wird kaum, die Energie wird für die Reise benötigt. Ab und zu legen die drei kurze Ruhepausen unter dem dürftigen Schatten eines einzelnen, zähen Baumes ein um einige Schluck Wasser zu sich zu nehmen. Gen Abend hat sich das Gelände kaum geändert. Trockenes Gras, hier und da ein dürrer Baum, keine Bäche oder Flüsse und kein Anzeichen von Zivilisation.
An einem gar nicht so weit entfernten Ort, am selben Abend brechen die wilden Reiter der Nomadenvölker über die Sippe der Steppenläufer herein. Keiner der Elfen, weiss wieso er sterben muss und auch kaum einer der Menschen weiss, wieso er tötet. Er glaubt, um Beute zu bekommen, doch die meisten Elfen haben nur sehr wenig Besitz, meist nicht einmal von besonderem Wert. Er glaubt, weil sein Khan ihm es befohlen hat, der Khan wird den Zusammenhang sehen. Doch keiner stellt dieses Handeln in Frage. Doch selbst der Khan weiss den Grund nicht genau. Er glaubt, weil die Steppenläufer eine Bedrohung für ihn darstellen. Er glaubt, seine Schamanen werden wissen wieso. Und die Schamanen wissen es: Der grosse Geist hat es ihnen erzählt. Der Wanderer lächelt. Das siebte Siegel ist gebrochen.
Ein karger Baum, ein kleines bisschen Schatten, eine kurze Rast, ein wenig Wasser. Die Sonne brennt erbarmungslos auf das trockene Gras herab. Die drei beschleunigen ihre Schritte ein wenig, gestärkt durch den Anblick des Rastplatzes. Doch als sie näher kommen weht ihnen ein Geruch des Todes entgegen, der Gestank von Leichen und Verwesung. An den kargen Ästen hängen, neben vereinzelten Blättern, Elfen an Stricken vom Baum. Blutige Zeichen zieren den Stamm. „Was…“ beginnt Elayoe, doch die Worte bleiben ihr im Halse stecken. Sie weiss genau was geschehen ist, diese Zeichen und die toten Körper sprechen eine klare Sprache. Dennoch kann sie es nicht fassen. „Wir müssen vorsichtig sein“, sagt Mandavar, „Wenn wir entdeckt werden, werden sie nicht zögern uns anzugreifen“. Daran zweifelt Elayoe nicht. Sie wirft einen Blick zu Shayariel hinüber. Sie sieht den besorgten Ausdruck auf Shayariels Gesicht. Nun, hier können sie wohl kaum rasten. Schweren Mutes gehen die drei weiter, stetig nach Norden.
„Lauft!“ schreit Mandavar. Elayoe wirft einen Blick über die Schulter und sieht die Reiter. Sie rennen los, in der verzweifelten Hoffnung ein Versteck zu finden bevor die Reiter heran sind, doch in dieser Einöde gibt es kaum Verstecke. Mandavar bleibt zurück. Will er es etwa alleine mit den ganzen Reitern aufnehmen? Das schafft selbst er nicht. Elayoe rennt, Shayariel neben ihr ebenso, doch es ist vergebens. Schon nach kurzer Zeit hören sie das Hufgetrappel und wenig später sind sie von den Menschen eingekreist. Sie sprechen in einer seltsamen Sprache miteinander. Hoffentlich lassen sie sie gehen. Elayoe weiss, dass diese Hoffnung töricht ist. Ein älterer Mann mit einem kunstvoll gepflegten Bart treibt sein Pferd einige Schritte vor. „Ihr mitkommt oder sterbt!“ sagt er in schlechtem Elfisch. Er spricht wieder etwas in der Sprache der Nomaden, worauf zwei Männer absteigen. Einer packt Elayoe grob bei der Schulter, drückt ihr die Arme hinter den Rücken und fesselt sie, während der andere sich um Shayariel kümmert. Der Strick ist grob und es schmerzt. Der Mann nimmt ihr die Gürteltasche und ihr Messer ab. Plötzlich packt er sie und hievt sie auf sein Pferd, sitzt selbst wieder auf und sie reiten los. Wo ist nur Mandavar? Elayoe sieht sich, so gut sie kann, um. Sie zählt zweiundzwanzig Männer, allesamt beritten und bewaffnet und dazu kommen noch diejenigen die sie aus dieser Position nicht sehen kann. Shayariel entdeckt sie nicht. Der Ritt ist alles andere als angenehm, aber wenigstens dauert er nicht sehr lange. Das Lager der Menschen ist ein grosses Zeltdorf inmitten der Steppe. Es befindet sich an einem kleinen Teich. Die Zelte sind einfach konstruiert, an Holzgerüsten aufgespannte Tierhäute, die vermutlich kaum einem Sturm standhalten würden, doch als Schutz vor der Sonne sind sie ausreichend. Um das Lager grasen unzählige Pferde, scheinbar besitzt fast jeder der Nomaden ein eigenes Pferd. Die Reiter halten an und steigen ab. Elayoe wird gepackt und vom Pferd gehoben. Der Mann, der sie gefesselt hat führt sie weg, zu einem etwas abseits liegenden Zelt. Elayoe versucht sich nach Shayariel umzusehen, kann sie aber nicht entdecken. Der Mann stösst sie weiterhin hart voran, so dass sie strauchelt. Sie wird wieder in die Höhe gezogen und dann so kräftig ins Zelt gestossen dass sie stürzt. Sie setzt sich darin erstmal in eine etwas bequemere Position und sieht sich um. Das Zelt scheint leer zu stehen. Den Boden bedecken Felle von Antilopen und anderen Tieren. Es ist nicht sehr gross aber scheint recht stabil zu sein, vielleicht der Grund wieso sie ihre Gefangenen hier unterbringen. Der Eingang ist mit Tüchern bedeckt. Sie lauscht den Geräuschen draussen. Scheinbar gibt jemand vor dem Zelt Anweisungen. Vielleicht werden Wachen aufgestellt. Wo ist bloss Shayariel? Hoffentlich tun sie ihr nichts an. Sie werden sie wohl bald auch in dieses ungewöhnliche Verliess bringen. Doch auch eine geschätzte Stunde später tut sich nichts. Elayoe spürt ihre Hände kaum mehr. Sie macht sich Sorgen um sich selbst, ihr Vorhaben, selbst um Mandavar, am allermeisten jedoch um Shayariel. Was haben diese Menschen wohl mit ihr gemacht? Vermutlich haben sie sie nur in einem anderen Zelt untergebracht – vermutlich. Elayoe verdrängt den Gedanken an andere Möglichkeiten, einfach weil sie zu sehr schmerzen würden.
Später, dem schwächer gewordenen Lichteinfall durch den Spalt am Eingang nach zu urteilen mehrere Stunden später, Elayoe ist sich nicht ganz sicher, tritt ein Mensch ins Zelt. Er ist hoch gewachsen und sonnengebräunt wie scheinbar alle dieses Steppenvolkes. Er scheint schon einiges erlebt zu haben, Narben verunstalten sein Gesicht und seine Augen strahlen Lebensweisheit aus. Die Gewänder der Nomaden sind dunkel und bedecken den ganzen Körper, ein wirksamer Schutz gegen die Hitze der Sonne. „Was macht ihr hier, im Land des Khagan?“, fragt er in gut verständlichem Elfisch. Elayoe will antworten, doch kaum mehr als ein Krächzen kommt aus ihrer Kehle. Erst jetzt bemerkt sie, wie durstig sie eigentlich ist. Der Mensch scheint das geahnt zu haben. Er zieht ein Messer und einen Wasserschlauch hervor, schneidet Elayoes Fesseln durch und reicht ihr den Schlauch. Schmerz durchströmt ihre Hände als das Blut wieder hindurch strömt. Dankbar nimmt sie den Schlauch entgegen und trinkt grosse Schlucke. „Wir waren auf der Reise zum Dryadenwald“, antwortet sie. „Dryadenwald? Ist das der Wald im Norden oder Süden des weiten Landes?“. „Derjenige im Norden. Wir kommen aus dem Süden. Wir wollten euch nichts Böses“. „Der Khagan hat befohlen alle Elfen gefangen zu nehmen. Die Zeiten des Friedens sind vorbei und wir stehen im Krieg mit den Steppenelfen. Was wollt ihr im Norden?“. Elayoe zögert. Krieg mit den Steppenelfen? Ob hier wohl dasselbe passiert ist, wie in ihrem Wald? Wenn dies der Fall ist, droht ihr hier unmittelbare Gefahr und sie kann froh sein, dass die Nomaden sie nicht gleich getötet haben. „Wir wollten eine Sippe im Norden besuchen“. „Besuchen? Und dafür nehmt ihr die Gefahren der Steppe auf euch?“. Er lacht. „Wo ist Shaya? Was habt ihr mit ihr gemacht?“, rutscht es Elayoe heraus. „Shaya, ist das der Name deiner Begleiterin? Keine Angst, ihr geht es gut. Na, der Khagan wird entscheiden was mit euch passiert. Vermutlich habt ihr die Ehre dem grossen Geist geopfert zu werden. Freut euch darauf“. Er schmunzelt, dreht sich um und verlässt das Zelt. Froh darum, die Fesseln los zu sein, doch auch teilweise erschrocken über die neuen Erkenntnisse wandern ihre Gedanken wieder zu Shayariel, dann denkt sie an die bevorstehenden Ereignisse. Elayoe ist fest entschlossen sich nicht opfern zu lassen, schon gar nicht diesem „Geist“ der ihr Volk so zu hassen scheint. Doch die Angst greift wie eine schwarze, kalte Hand nach ihrem Verstand und die Zweifel und Sorgen lassen sich nicht mehr daraus verbannen, so sehr sie auch versucht einen klaren Geist zu bekommen. Sie kommt jedoch zum Entschluss, dass sie in ihrer derzeitigen Verfassung nicht viel Widerstand leisten könne und legt sich nieder um zu schlafen und Kräfte zu sammeln. Wenig später versinkt sie in einen, von düsteren Träumen geplagten Schlaf.
Ein Geräusch lässt Shayariel aufschrecken. Das kam von der Hinterwand des Zeltes, nicht vom Eingang. Sie dreht sich um und blickt geradewegs in das Gesicht von Mandavar. Dieser bedeutet ihr, leise zu sein. Er hat ein kleines Messer in der Hand und schneidet ihre Fesseln durch. Dankbar nickt Shayariel ihm zu und schüttelt erstmal ihre Hände um das Blut wieder in ihre tauben Finger strömen zu lassen. „Kannst du reiten?“, flüstert ihr der Assassine zu. „Reiten? Wir Waldelfen kommen gut mit Tieren aus, ich denke ich sollte mich schon auf dem Pferd halten können, auch wenn ich es noch nie versucht habe“. „Es muss gehen, anders kommen wir hier kaum weg. Wo ist deine Freundin?“. „Elayoe? Ich weiss es nicht“. In der Tat hat sie sich das selbst schon gefragt. Der Nomade der hereingekommen ist, ihr ein wenig Wasser gegeben hat und ihr Fragen gestellt hat, hat ihr keine ihrer eigenen Fragen beantwortet. „Gut, bleib hier. Ich werde sie suchen“. „Nein, lass mich mitkommen, ich kann gut schleichen“. „Wenn du meinst. Aber sei bloss vorsichtig“. Sekunden später bereut er diese Entscheidung, aber es ist schon zu spät. Was hat ihn da nur geritten? So ist es jetzt nun mal, hoffentlich würde alles glatt gehen. Er geht zur Hinterwand und winkt Shayariel heran, ehe er lautlos hinausschlüpft. Hier am Rand des Lagers ist es ziemlich dunkel und die Nomaden sind gegen das Feuer gut zu sehen. Shayariel macht sich gar nicht schlecht, sie ist selbst von ihm kaum zu hören. Sie umrunden das Lager, auf der Suche nach einem bewachten Zelt. Plötzlich ein Ruf im Lager. Er kommt aus der Richtung des Zeltes in dem Shayariel gefangen gehalten wurde. Vermutlich haben die Wachen ihr fehlen entdeckt. Jetzt heisst es ruhig bleiben, keinen Fehler machen und schnell handeln. Vermutlich würden sie Verstärkung zu Elayoes Gefängnis schicken und nach ihnen suchen. Reglos verharrt der Verlorene einige Sekunden und beobachtet die Nomaden. Dann bewegt er sich lautlos und schnell in die Richtung in der er Elayoe vermutet. Shayariel folgt ihm fast ebenso leise. Kurze Zeit später erreichen die beiden das zweite Gefangenenzelt. Hier stehen nun bereits fünf Wachen und es scheinen mehr zu werden. Schnell handeln ist gefragt. Der Verlorene reicht Shayariel sein Messer und weist sie an, Elayoe zu befreien während er sich um die Wachen kümmert, sich dann zwei Pferde zu stehlen und nach Norden zu reiten. Er schleicht dicht an einem Zelt in eine gute Position und schleudert dann ein Wurfmesser nach einer Wache. Es war gut gezielt. Die Wache sinkt mit kaltem Stahl im Hals unter einem Röcheln zu Boden. Ein Schrei, dann aufgeregte Worte unter den Wachen. Sie scheinen ihn noch nicht gesehen zu haben, aber sie werden schnell merken woher das Geschoss kam. Die verblieben Wachen sammeln sich und rennen in seine Richtung. Wie er es erwartet hat. Schnell wirbelt er herum und läuft los, Flammenwind entgegen. Hoffentlich haben sie keine Wachen im Zelt postiert.
Elayoe erwacht. Es scheint einen Aufruhr im Lager zu geben. Aufgeregte Stimmen vor dem Zelt, hastige Schritte und dann ein Aufschrei. Plötzlich tut sich was an der Hinterwand des Zeltes. Eine Klinge teilt das Leder und das vertraute Gesicht von Shayariel späht herein. Elayoe stürzt auf sie zu. „Shaya“, ruft sie leise. „Ela, schnell, wir müssen weg hier. Mandavar hat mich befreit und die Wachen abgelenkt. Wir müssen uns Pferde schnappen und dann weg hier“. Noch nie war sie so froh gewesen ihre Freundin zu sehen.
„Sie…sie wollten uns opfern, Shaya. Dem grossen Geist, wie sie ihn nennen. Ich bin so froh, dass dir nichts passiert ist“. Die Pferde hatten keine Probleme gemacht und Mandavar war bald auf seinem Hengst zu den beiden Mädchen gestossen. Nun mussten sie wenigstens nicht mehr laufen. „Ich hatte auch Angst, Ela. Doch jetzt sind wir in Sicherheit“. „Zum Glück. Mandavar scheint wirklich ein Verbündeter zu sein“. Er lächelt. Er reitet den beiden voran, doch ihr Gespräch ist ihm nicht entgangen. Sie legen ein gutes Tempo hin, die Pferde sind kräftig und ausdauernd. Langsam dämmert es, die Sonne geht auf und wirft ihre noch sanften Strahlen über das flache Grasland. Die Schatten der langen Grashalme bilden ein wunderbares Schauspiel, doch Mandavar beachtet sie nicht. Er konzentriert sich auf den Ritt, wirft regelmässig Blicke über seine Schulter, hält Ausschau nach Verfolgern, doch die Steppenmenschen scheinen sie nicht zu verfolgen. Das macht ihn stutzig, zumal er einen ihrer Wachen getötet und einen weiteren zumindest schwer verletzt hat, ihre Gefangenen befreit hat und auch noch für zwei gestohlene Pferde verantwortlich ist. Sie können wohl kaum annehmen, dass sie in der Steppe sterben würden, oder doch? Irgendetwas stimmt hier nicht.
Gegen Mittag legen die drei eine Rast ein. Sie sind erschöpft und ihre Pferde benötigen ebenfalls eine Pause. Sie lagern an einem kleinen Bächlein, das von Norden her in die grosse Steppe fliesst, aus dem Dryadenwald. Hier, im Norden der Steppe ist sie weniger trocken und wird von vielen kleinen Bächen durchzogen. Gierig trinkt Elayoe von dem kalten Wasser das munter durch die Landschaft plätschert. Dann, endlich ein wenig zur Ruhe gekommen von den vergangenen Ereignissen, geht sie zu Mandavar: „Ich möchte mich bei dir bedanken, es war nicht selbstverständlich dass du uns gerettet hast“. Dieser nickt ihr nur wortlos zu. Nach einigen Sekunden erwidert er dann: „Legt euch besser ein wenig schlafen, ihr werdet die Kraft noch nötig haben. Der Weg ist noch weit“. Elayoe unterdrückt ein Gähnen und befindet seinen Vorschlag für eine gute Idee. Sie legt sich unter den Schatten eines Baumes und schläft bald ein.
Nach einigen weiteren Tagen Reise, erreichen die drei den Wald bei Nacht. Den Dryadenwald erblicken sie bereits bei Sonnenuntergang am Horizont. Wie ein Wall ragen die Bäume im Licht der sterbenden Sonne auf. Doch es dauert noch die halbe Nacht, bis die Reisenden am Waldrand ankommen. Die Bäume im Dryadenwald sind riesig. Hier am Waldrand sind sie zwar noch kleiner, doch schon bald sind manche Bäume so gross, dass es Minuten dauert um sie herum zu gehen und die Gipfel sich in den Wolken verlieren. Dieser Wald ist anders als der Wirrwald, welcher zwar gigantisch ist, doch kaum ein Baum erstreckt sich über hundert Schritt in die Höhe und die dicksten Stämme sind knapp zehn Schritt breit. Hier erinnern die Bäume eher an steile Bergspitzen. Der Wald hier ist von Magie durchdrungen, viele Waldgeister leben in ihm, welche im Wirrwald kaum anzutreffen sind. Im Wirrwald konnten die Menschen sich die Natur untertan machen, doch im Dryadenwald herrscht die Natur über alles und nur wer mit ihr im Einklang ist, kann überleben.
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Wenige sind imstande, von den Vorurteilen der Umgebung abweichende Meinungen gelassen auszusprechen;
die meisten sind sogar unfähig, überhaupt zu solchen Meinungen zu gelangen. Albert Einstein
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von Sao-Link: 29.08.2007 11:34.
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28.08.2007 11:58 |
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Regenengel

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Oh, ein neuer Original-Schreiber, willkommen im Schreibforum!
Ich maaaag Fantasy, und Fantasy mit shojo-ai... gute Ausgangsbedingungen, dass mir deine Geschichte gefällt
Du hast für den Beginn ganz schön viel auf einen Rutsch gepostet. Hoffentlich wirkt das auf potentielle LeserInnen nicht abschreckend.
Aber wollen wir doch mal sehen. Den Prolog werde ich etwas akribisch zerpflücken, bei den Kapiteln dauert mir das zu lange, da gibt es dann nur noch inhaltliches Feedback (und bei ganz groben formalen Patzern).
| Zitat: |
| Einst war die Welt jung und nur wenige Wesen wandelten auf ihrem Antlitz, da erblickte ein Wesen das Licht der Welt, das Eloah genannt wurde. |
Nach "Antlitz würde sich ein Punkt gut machen.
| Zitat: |
| die Ungleichheit der lebenden Wesen und die Kriege, das Leid und die Not die daraus resultierten zu beenden |
die Not, die daraus resultierten,
Leider ist der Relativsatz aber auch mit Kommas nicht korrekt. Das Relativpronmen "die" kann sich nicht auf "Leid" beziehen, denn "Leid" ist neutrum/sächlich. Das passende Realtivpronomen müsste es also "das" heißen. Daher bezieht sich "die" in deinem Satz grammatikalisch ausschließlich auf "Not" und nicht auf "Leid". Das Verb "resultierten" steht aber im Plural, kann sich also nicht ausschließlich auf "Not" beziehen.
| Zitat: |
| Die Lebenden erfuhren von Eloah und ihrer Absicht und verehrten Eloah als „die Göttin“, obwohl Eloah weder männlich noch weiblich war. |
In diesem Satz hast du dir selbst ein Bein gestellt. Nun hast du so schön immer und immer wieder den Namen wiederholt, da schadet das eine Mal mehr auch nicht *g*
| Zitat: |
| Nach dreitausend Jahren der Suche, hatte Eloah den einzigen Weg gefunden |
Das Komma muss weg.
| Zitat: |
| Eloah erschuf die Gleichmacher, gewaltige Konstrukte, welche die Lebenskraft aller Wesen in sich aufnehmen konnten und befahl ihnen |
...aufnehmen konnten, und befahl...
| Zitat: |
| Die dreizehn Sippen Flammentanz, Waldruf, Schattenkind, Kristallglanz, Regengeist, Steinspitze, Steppenläufer, Himmelslicht… Nachtklinge und Sturmsuche |
Hier hätte ich mir nun auch dreizehn Namen gewünscht. Warum hast du welche ausgelassen?
| Zitat: |
| geschützt von dreizehn Siegeln die nur gebrochen werden konnten, wenn |
Siegeln, die
Inhaltlich stellt der Prolog eine recht solide Grundlage für ein Fanatsywerk dar, wenn auch noch nichts überraschend Neues. Ich bin aber gespannt, was du daraus machst!
In den Kapiteln setzen sich deine Kommafehler v.a. bei Relativsätzen fort. Außerdem hast du relativ oft Fehler in Tempus, was das Lesen zuweilen etwas erschwert.
Mal ein Beispiel für die Tempussprünge aus dem ersten Kapitel:
| Zitat: |
| Talan antwortet nicht. Doch er hat auch keine Antwort von ihm erwartet, er kannte seine Antwort bereits. Er hat sie schon hundertmal gehört und er weiss, wie sehr sich sein Sohn nach diesem Tag sehnte. |
... er kennt.... sehnt.
(Das Pefekt hast du völlig korrekt als Vergangenheit der Erzählzeit Präsenz eingesetzt.)
| Zitat: |
| Was treibt denn zwei Mädchen wie euch |
wie ihr (Nominativ)
[in: Steinspitze]
Ansonsten machst du formal kaum Fehler und man kann die Geschichte flüssig lesen.
Manchmal könntest du dir sogar noch etwas Zeit lassen und genauer beschreiben, was die beiden sehen, denken, tun, einfach detaillierter, auch wenn es nicht unmittelbar nötig ist oder zum Haupthandlungsstrang gehört. Besonders das Aufeinandertreffen zwischen den Elfen und dem Assassinen war mir viel, viel, viel zu schnell und kurz abgehandelt. Zack, MOnster tot, zack, KLinge am Hals, zack, schon Geschichte erzählt, zack, schon neuer Reisebegleiter. Da wüsste ich schon mehr darüber, was im Kopf der Mädchen vorgeht.
Diese Stelle finde ich in diesem Kontext übrigens ziemlich gut:
| Zitat: |
| doch ob ihr Begleiter Schutz oder Gefahr darstellt, vermag Elayoe nicht zu sagen. Mandavar selbst wohl auch nicht. |
*grins*
Besonders gut gelungen ist dir auf jeden Fall die Szene in der Hütte des Alten, als die beiden Elfenmädchen sich das Bett teilen, das war sehr süß beschrieben
Unklar ist mir bis jetzt die Namensgebung der Kapitel geblieben. Beim ersten Überblick-Verschaffen dachte ich natürlich, du würdest in jedem Kapitel den namengebenden Stamm bzw. Erben des jeweiligen Stammes beschreiben und die Handlungsstränge später zusammenführen. Deine Lösung gefällt mir besser, aber die Kapitelüberschriften sind mir, wie gesagt, nicht klar.
Nun, es ist ziemlich spannend geworden und ich freue mich auf Fortsetzung! (Mandavar hat es mir angetan, mich zieht es immer zu den nicht ganz so bösen Bösen *gg* und er ist reichlich mysteriös.)
Kannst du denn in etwa sagen, wie lang die gesamte Geschichte am Ende werden wird?
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28.08.2007 16:11 |
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Sao-Link
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Dabei seit: 27.08.2007
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Leider ist der Relativsatz aber auch mit Kommas nicht korrekt. Das Relativpronmen "die" kann sich nicht auf "Leid" beziehen, denn "Leid" ist neutrum/sächlich. Das passende Realtivpronomen müsste es also "das" heißen. Daher bezieht sich "die" in deinem Satz grammatikalisch ausschließlich auf "Not" und nicht auf "Leid". Das Verb "resultierten" steht aber im Plural, kann sich also nicht ausschließlich auf "Not" beziehen.
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Ich sollte aufhören so komplizierte Sätze zu schreiben
Wenn ich hier ein "das" setze, sieht es sehr komisch aus...
| Zitat: |
Hier hätte ich mir nun auch dreizehn Namen gewünscht. Warum hast du welche ausgelassen?
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Weil ich sie noch nicht alle weiss, die werden dann vorzu eingefügt
| Zitat: |
| Manchmal könntest du dir sogar noch etwas Zeit lassen und genauer beschreiben, was die beiden sehen, denken, tun, einfach detaillierter, auch wenn es nicht unmittelbar nötig ist oder zum Haupthandlungsstrang gehört. Besonders das Aufeinandertreffen zwischen den Elfen und dem Assassinen war mir viel, viel, viel zu schnell und kurz abgehandelt. Zack, MOnster tot, zack, KLinge am Hals, zack, schon Geschichte erzählt, zack, schon neuer Reisebegleiter. Da wüsste ich schon mehr darüber, was im Kopf der Mädchen vorgeht. |
Das werde ich versuchen, ist mir auch oft schon durch den Kopf gegangen.
| Zitat: |
| Unklar ist mir bis jetzt die Namensgebung der Kapitel geblieben. Beim ersten Überblick-Verschaffen dachte ich natürlich, du würdest in jedem Kapitel den namengebenden Stamm bzw. Erben des jeweiligen Stammes beschreiben und die Handlungsstränge später zusammenführen. Deine Lösung gefällt mir besser, aber die Kapitelüberschriften sind mir, wie gesagt, nicht klar. |
Diese sind provisorisch, ich werde die Kapiteleinteilung oder zumindest die Benennung noch überarbeiten, denke ich.
| Zitat: |
| Kannst du denn in etwa sagen, wie lang die gesamte Geschichte am Ende werden wird? |
Nein, keine Ahnung
Wird aber wohl mehr als die eventuell erwarteten dreizehn Kapitel.
Vielen Dank für die konstruktive Kritik. Ich habe die Geschichte (in verschiedenen Phasen) mehreren Testlesern verteilt und werde jegliche Fehler oder Ungereimtheiten überarbeiten.
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28.08.2007 17:00 |
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Regenengel

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Original von Sao-Link
Ich sollte aufhören so komplizierte Sätze zu schreiben
Wenn ich hier ein "das" setze, sieht es sehr komisch aus... |
Stimmt, und ist außerdem dann wieder falsch, weil es sich dann nicht mehr auf "Not" beziehen kann. Du musst es einfach in den Plural setzen und das Pronomen ändern: ..., welche...
Das sollte gehen.
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Weil ich sie noch nicht alle weiss, die werden dann vorzu eingefügt
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Ach so XD
Dann freue ich mich auf deine weitere Arbeit!
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28.08.2007 17:18 |
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Sao-Link
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Nun habe ich den Grossteil der Geschichte überarbeitet, einige Fehler entfernt und viele Stellen ein wenig ausgeschmückt.
| Zitat: |
| Stimmt, und ist außerdem dann wieder falsch, weil es sich dann nicht mehr auf "Not" beziehen kann. Du musst es einfach in den Plural setzen und das Pronomen ändern: ..., welche... |
Ja, das sieht dann sinnvoll aus, danke, so werde ich das machen.
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28.08.2007 20:10 |
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Sao-Link
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Himmelslicht
„Dieser Wald ist bezaubernd“, denkt sich Elayoe. Sie spürt die Macht, welche die Natur hier besitzt, die Kraft des Lebens die von diesen uralten Bäumen, den kleinen und grösseren Waldtieren ausgeht. Die Pferde haben sie am Rand der Steppe zurückgelassen, dieser Wald ist kein Ort für sie, es sind Tiere des Graslandes. Manchmal scheinen sich in diesem Wald selbst die Bäume zu bewegen, vermutlich so genannte Dryaden, Geister der Bäume, welche sich oftmals in baumähnlicher Gestalt zeigen. Von ihnen hat der Wald auch seinen Namen. Langsam schreiten die drei durch den Wald, manchmal fällt es ihnen nicht leicht, einen begehbaren Pfad zu finden, doch nie müssen sie sich wirklich durch das Unterholz kämpfen, immer findet sich wieder ein schmaler Pfad, als würde der Wald ihnen den Weg weisen. Langsam wird Elayoe müde, die Reise ist ziemlich anstrengend, denn auch wenn der Weg gut begehbar ist, der lange Fussmarsch erschöpft. Auch Shayariel scheint sich inzwischen etwas schwer zu tun. Mandavar macht den Eindruck, als sei er sich den Wald nicht gewohnt, sogar ihm scheint die Reise schwerer zu fallen, obwohl er sonst sehr ausdauernd ist. Dieser Wald ist natürlich etwas anders als die meisten anderen Forste, aber auch hier gibt es Bäume, die meisten sogar in normaler Grösse, Unterholz, Gestrüpp, Dornen und Gräser, eigentlich dieselben Sachen auf die man bei einer Wanderung achten muss. Elayoe hält die Augen nach einem geeigneten Rastplatz offen und wenig später entdeckt sie ein Loch in einem der Bäum, eine kleine Höhle. „Dort können wir rasten. Ihr seid bestimmt auch schon ziemlich müde“. Shayariel nickt, Mandavar schweigt, schlägt aber den Weg zur Höhle ein.
Unter diesen gewaltigen Bäumen ist es dunkel, schon bevor die Sonne untergegangen ist und sogar am helllichten Tag erreichen nur wenige Sonnenstrahlen den blätterbedeckten Waldboden. Ein Feuer zu entzünden wagen sie nicht. Sie ernähren sich von Waldbeeren, welche sie auf der Reise gepflückt haben. Elayoe und Shayariel ziehen sich ein wenig zurück. Ihre Decken haben die Nomaden ihnen entwendet und so kuscheln sich die beiden dicht aneinander und wärmen sich gegenseitig. Mandavar legt sich ebenfalls nieder. Zweifel machen sich in ihm breit. Noch lange denkt er nach, bevor er einschläft. Was wird er tun, wenn er die beiden ans Ziel gebracht hat? Vielleicht zum Wanderer zurückkehren und ihn ein wenig in die Mangel nehmen? Dieser Gedanke belustigt ihn. Seinem Ruf würde es wohl nicht gut tun, doch der kümmert ihn nicht mehr. Seine Hoffnungen, mehr über die Wanderer und ihren seltsamen Glauben herauszufinden haben sich wirklich nicht erfüllt und die beiden sind inzwischen seine einzige Spur. Flüchtig kommt ihm jenes schicksalsträchtige Ereignis in den Sinn und mit diesem Gedanken schläft er ein.
Elayoe blinzelt. Ein Sonnenstrahl fällt durchs Blätterdach und weckt sie indem er ihr sanft aufs Gesicht scheint. Sie streckt sich und reibt sich die Augen. Sie versucht aufzustehen, doch irgendwie scheint sich ihre Kleidung verhangen zu haben. Sie blickt herab und sieht Shayariel noch schlafend, welche sich im Schlaf wohl auf ihren Mantel gerollt hat. Mit einem Ruck zieht sie ihn hervor und versucht dabei Shayariel nicht aufzuwecken. Dann steht sie auf. Sie sieht Mandavar, der wohl vor weniger als einer Minute noch geschlafen hat, scheinbar hat sie ihn geweckt, prüfend umherblicken. Er scheint einen sehr leichten Schlaf zu haben. Elayoe geht zu ihm herüber. „Guten Morgen“, begrüsst sie ihn leise. Er scheint ein Gähnen zu unterdrücken. „Morgen“, grummelt er. Mandavar der Verlorene, kaltblütiger Killer, geschickter Kämpfer, Morgenmuffel. Elayoe schmunzelt. „Ich werde mal das Frühstück sammeln gehen“, verkündet sie und macht sich auf den Weg. „Geh nicht zu weit weg“, brummt Mandavar ihr hinterher. Sie bleibt kurz stehen und nickt ihm zu und geht dann weiter. Sie streift in der Nähe dieses grossen Baumes umher. Diese gewaltigen Bergbäume scheinen nicht sehr dicht zu wachsen, vermutlich würden ihre Wurzeln einander in die Quere kommen, und sie geben gute Orientierungspunkte ab. Sie pflückt einige Waldbeeren, viele Pflanzen aus dem Wirrwald scheinen auch hier zu wachsen. Sie streift ein wenig weiter herum, da fällt ihr Blick auf einen Ahorn. Erfreut nähert sie sich dem Baum, legt ihre Hand an seine Rinde und beginnt leise zu singen. Sie konzentriert sich auf die Natur die sie umgibt und spürt die Lebenskraft des Waldes durch sie fliessen. Mit ihrem Lied formt sie diese Kraft des Wachstums und leitet sie durch den Baum. Seine Rinde formt eine Schale in ihrer Hand und dickflüssiger Saft tropft hinein. Nach einigen Minuten löst sie die Schale vom Baum und lässt die Stelle wieder zusammenwachsen. Sie nimmt Schale und Beeren und kehrt zum Lager zurück. Inzwischen ist Shayariel auch schon aufgewacht und begrüsst sie fröhlich. Mandavar macht immer noch einen etwas geknickten Eindruck, was ihm wohl über die Leber gekrochen ist? Elayoe legt ihre Ausbeute vorsichtig auf den Boden, bedeutet den beiden zuzugreifen und nimmt die Schale in die Hand und stimmt das Feuerlied an. Diesmal lenkt sie mit ihrer Stimme die Wärme direkt in den Saft selbst, sie will schliesslich kein Feuer entfachen sondern nur den Ahornzucker auskochen. Beim singen wirft sie Shayariel einen Blick zu, welche ihr wie immer zufrieden lauscht, während sie einige Beeren im Mund umher schiebt. Kurze Zeit später ist aus dem Ahornsaft der leckere braune Zucker auskristallisiert. Auch Mandavar scheint seine Unlust überwunden zu haben und hat sich eine Hand voll der nahrhaften Beeren geschnappt. Elayoe bricht sich ein Stück des Zuckers ab und schiebt ihn zusammen mit einigen Beeren in den Mund und reicht Shayariel die Schale.
Langsam geht der Wanderer den Kreis ab, entzündet die fünf Kerzen, denen extra zu diesem Zweck Asche aus der Haut von schwarzen Schlangen beigemischt wurde, welche nun einen seltsamen Geruch verbreitet. Der Wanderer begibt sich in die Mitte des Kreises und rezitiert mit kräftiger Stimme die uralten Beschwörungsformeln und ritzt dabei mit seinem edel verzierten Dolch seine Haut, hält eine Schale aus schwärzestem Obsidian unter die Wunde und lässt langsam Blut hineintropfen. Immer schriller wird seine Stimme, immer lauter und schneller die Formeln, plötzlich fängt das Blut Feuer und dunkler Qualm steigt aus der Schale auf. „Die Göttin schickt mir einen Diener“, denkt sich der Wanderer, doch als er diesen erblickt, spürt er einen eiskalten Schrecken.
Nach einem stärkenden Frühstück machen sich die drei wieder auf den Weg durch den Wald. Öfters sehen sie die Geister des Waldes vorbeihuschen, ein kleines, leuchtendes Etwas im Unterholz, ein knorriges Wesen zwischen den Bäumen. Doch die Geister des Waldes scheinen sie zu respektieren, vermutlich weil die drei Elfen den Wald respektieren. So dringen sie immer tiefer in den geheimnisvollen Wald vor und nach weiteren zwei Tagesmärschen ohne ungewöhnliche Ereignisse taucht, scheinbar aus dem nichts, ein Elf vor ihnen auf. Seine Haare sind ungewöhnlich kurz und von einem hellen grau, sein Gesicht ist vom Alter gezeichnet. Mandavar schätzt, dass er schon weit über fünfhundert Jahre alt sein muss. Er registriert auch, dass der Elf scheinbar nicht bewaffnet ist, was aber nicht heisst, dass er sich nicht wehren kann. „Seid gegrüsst, Reisende. Wir hatten schon lange keine Besucher mehr. Sagt, was führt euch in den Dryadenwald?“, grüsst er die Reisenden mit einem Lächeln. Ziemlich überrascht setzt Elayoe zu einer Antwort an, doch Mandavar kommt ihr zuvor: „Wir sind unterwegs zu Imion dem Weisen, wir haben ihm wichtiges zu berichten“. „Imion sucht ihr also. Nun, dann herzlich willkommen in unserer Gemeinschaft“.
Der ältere Elf hat sie den letzten Rest des Weges geführt. Noch etwa eine Stunde sind sie durch den Wald gegangen, bis sie an einem der gigantischen Bäume angekommen sind. Im inneren des lebenden Baumes haben die Elfen eine gigantische Halle geformt, mit grossen, spiralförmigen Treppen die in die Höhe führen und vielen Balkonen und Terrassen auf verschiedenen Höhen. Das eigentliche Dorf ist auf oder in den Ästen des Baumes erbaut. Es ist weit grösser als das Dorf der Sturmsucher, viele hundert Elfen müssen hier leben, vielleicht sogar über tausend. Elayoe kann nur staunen und diese unglaubliche Leistung bewundern, an der sicherlich die ganze Sippe jahrelang gearbeitet hat. Der Elf führt sie die Treppen hoch, welche aus dem lebenden Holz des Baumes geformt wurden. Die Lebenskraft die den ganzen Wald durchzieht scheint hier sogar noch stärker zu sein. Gut hundert Schritt über dem Boden tritt der Führer aus dem Stamm heraus auf einen gewaltigen Ast, breiter und massiver als jeder Baum im Wirrwald es je sein würde. In weiteren Ästen, die sich von diesem abzweigen, haben die Elfen ihre Behausungen gestaltet. Brücken aus Holz und Blättern verbinden die Äste. Der alte Mann führt die drei Reisenden in ein solches Haus, welches sich kaum von den anderen unterscheidet. In dieser Wohnung bleibt der Alte stehen. „Die Behausung von Imion, da wären wir. Setzt euch ruhig. Doch sagt mir, was möchtet ihr denn von ihm?“. Elayoe wundert sich, dass ihr Führer erst jetzt darauf zu sprechen kommt. „Sollten wir nicht erst auf Imion warten, bevor wir die ganzen Geschehnisse berichten?“. Der Elf lächelt: „Der steht vor euch. Ich habe eure Anwesenheit gespürt, schon als ihr diesen Wald betreten habt und da wir selten Gäste bei uns haben, wollte ich euch gerne persönlich in Augenschein nehmen“. Mandavar wirft ihm einen misstrauischen Blick zu. „Woher sollen wir wissen, dass du wirklich Imion bist?“, verlangt er zu wissen. Der alte Elf lächelt nur sanft. „Ihr habt nur mein Wort. Und ich weiss, das genügt auch dir“. Mandavar wirkt entwaffnet. „Ich glaube dir, alter Mann“. Elayoe wundert sich über Imions Überzeugungskraft und beginnt ihm bereitwillig ihre Geschichte zu erzählen, vom Angriff auf Dorf der Sturmsucher, dem Amulett des Schamanen, Mandavars Auftreten, bis hin zu dem Angriff der Steppenmenschen und ihrer Hoffnung, er könne ihnen helfen und die anderen Elfensippen warnen. Imion lauscht aufmerksam und nachdem Elayoe geendet hat, stellt er einige Fragen, hakt nach und verlangt schliesslich das Amulett zu sehen. Mandavar reicht es ihm und Imion mustert es kritisch. „Nun, nach all dem was ihr erzählt habt, ist die Lage auf jeden Fall ernst. Ich werde die Sippen warnen und das Amulett unter die Lupe nehmen. Ihr könnt euch gerne hier in unserem Dorf ausruhen, bestimmt seid ihr Müde von eurer langen Reise. Ich werde euch Bescheid sagen, wenn ich etwas herausgefunden habe“. Imion erhebt sich und bedeutet den drei Gästen ihm zu folgen. Er führt sie zu einem leer stehenden Haus, das behaglich eingerichtet ist. Sie blicken in einen grossen Raum aus lebendem Holz mit einem Tisch und Bauschkissen und einer Kochstelle aus Stein. Zwei Türen die mit Vorhängen verhangen sind führen in weitere Räume der Baum-Behausung. „Hier könnt ihr bleiben“, sagt Imion. „Ich werde heute Abend die Sippe versammeln, dass ihr euch ihnen vorstellen könnt. Ich bin mir sicher, dass sie euch willkommen heissen werden. Ich werde euch abholen wenn es soweit ist“. Elayoe schaut sich in dem behaglichen Baumheim um während Imion wieder zurückkehrt. Matten aus Blättern, ein kleiner Tisch der mit dem Boden verwachsen ist, schön geräumig. Dafür dass sie selten Gäste haben, scheinen sie bestens auf solche vorbereitet zu sein. Mandavar verabschiedet sich gleich wieder und sagte er würde zur Versammlung wohl noch nicht wieder da sein.
Nachdem die beiden ihre wenigen Besitztümer deponiert, etwas gegessen haben und Elayoe einige Details des Baumheims ein wenig umgeformt hat, kommt Imion um sie zur Versammlung abzuholen. Es scheint ihn nicht zu überraschen, dass Mandavar nicht anwesend ist. Den alten Elfen kann kaum etwas aus der Ruhe zu bringen, denkt sich Elayoe. Imion führt die beiden durch den gigantischen Baum nach unten. Inmitten der grossen Halle im Inneren des Baumes lodert ein grosses Feuer. Um das Feuer sind Tische mit Speisen aufgebaut. Einige der Elfen musizieren und singen, während andere essen, trinken und mit ihren Freunden sprachen oder Geschichten erzählen. Fasziniert beobachtet Shayariel das Treiben. „Schmerzt das Feuer den grossen Baum nicht?“ fragt Elayoe Imion. „Nein“, antwortet dieser, „Für ein solch gewaltiges Wesen ist dieses Feuer nicht mehr als ein wärmender Sonnenstrahl es für dich wäre“. Elayoe scheint nicht ganz überzeugt. Imion lächelt. „Glaub mir, wenn er dadurch Schmerzen empfinden würde, würde er es uns kundtun. Und du, mein Kind, würdest es hören“. Damit hatte er wohl recht, sie war empfindlich was die Stimme der Bäume anging.
Elayoe und Shayariel schlossen sich den Feiernden an, froh einen Ort der Sicherheit gefunden zu haben und eine Sippe die sie als ihresgleichen aufnehmen würde, doch traurig um die Geschehnisse die sie hier her geführt haben. Doch diese trübseligen Gedanken verdrängen sie bald, während sie sich an Früchten, Fleisch, Beeren, Salaten und Nüssen laben und mit den Elfen der Sippe Himmelslicht sprechen. Die Elfen lieben Feste und nutzen jede Gelegenheit um zu singen, tanzen und musizieren, da sind auch die Himmelslicht keine Ausnahme. Während Elayoe sich mit einem Schneider der Sippe unterhält, gesellt sich Imion zu ihnen: „Du bist doch eine Zaubersängerin, Elayoe Sturmsucher. Lass uns deine Lieder hören“. Überrascht, aber geehrt stimmt Elayoe zu und schon bald hallen ihre Lieder durch die Halle, jener wunderschöne zweistimmige Gesang, wie ihn nur Zaubersänger hervorbringen können. Auch Shayariel lauscht dem Lied ihrer Freundin, der klaren, hellen Stimme die sie, obwohl schon so oft vernommen, immer wieder aufs Neue verzaubert. Während aus den Minuten Stunden werden, verliert sich Shayariel in ihrem Zauberlied, das ihr Herz erwärmt und ihre Seele berührt. Elayoe selbst verliert beim Singen jedes Gefühl für Zeit und plötzlich wird ihr schwarz vor Augen und die Erschöpfung bricht über sie herein. Kräftige Arme umfassen sie, heben ihre leichte Gestalt hoch. Sie erblickt noch Shayariels vertrautes Gesicht, bevor sie mit einem Lächeln auf den Lippen einschläft.
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Wenige sind imstande, von den Vorurteilen der Umgebung abweichende Meinungen gelassen auszusprechen;
die meisten sind sogar unfähig, überhaupt zu solchen Meinungen zu gelangen. Albert Einstein
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21.01.2010 03:05 |
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